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Chia Rabbi - Chia bar Abba - Chia der Große - Chia der Babylonier | Talmud

Chia Rabbi - Chia bar Abba - Chia der Große - Chia der Babylonier

Posted 4 mos ago

Chia R. oder: Chia bar Abba, sonst auch: Chia der Große, Chia der Babylonier. Gesetzeslehrer im z. Jahrh. zu Tiberis in Palästina, der in späterem Alter von Babylonien nach Palästina in das Lehrhaus des Patriarchen R. Judas I. zu Sephoris gekommen war. Von sei­ner Geburt, Herkunft und Familie wis­sen wir, dass sein Vater Abba aus Kasri hieß, er selbst zwei Zwillingssöhne Juda und Chiskia und zwei Töchter Pafi und Tavi hatte und von davidi­scher Abkunft aus einer Seitenlinie der­selben war (B. B. 85 Kethuboth 62.). Seine zwei Neffen waren die berühm­ten Gesetzeslehrer: Abba aus Areka, genannt Rabh und Rabba b. Chana, die unter seiner Leitung ihre Studien vollendeten. Mit seiner Frau Judith, gegen die er jedoch ein bewunderns­würdiges Zartgefühl hatte, lebte er in misslichen Verhältnissen. Sein Spruch war: »Ist es nicht genug, dass die Frauen die Kinder erziehen und die Männer von der Sünde abhalten!« Wie stark dieses Zerwürfnis in seiner Ehe war, geht aus seinem anderen Spruch hervor, den er als Abschiedssegen sei­nem Neffen R. Abba erteilte: »Gott schütze dich vor etwas Bitterem, als der Tod, vor einem bösen Weibe! « Sie bekannte selbst, dass sie keine Liebe für ihn haben könne, da sie sich in frü­her Jugend mit einem Manne ehelich verbinden ließ. Um das Maß voll zu machen, nahm sie ein die Unfruchtbar­keit bewirkendes Medikament ein, und fügte dadurch ihrem Manne einen tie­fen Schmerz zu. Er wohnte in Tiberias, und hatte zu seinem Gewerbe den Han­del mit Seidenwaren, die er nach Tyrus sandte. Seine Ländereien verpachtete er an R. Simon ben Halephta. Im Hause bei ihm ging es höchst einfach her, so dass er den am Wohlleben ver­wöhnten R. Josua ben Levi nicht bei sich aufnehmen konnte. Er gab den Schülern desselben Geld, die ihm nach Gewohnheit ein Mahl bereiten sollten. R. Chia erfreute sich einer allgemeinen Achtung. R. Juda I. betrachtete ihn mehr als Freund denn als Schüler. Er zog ihn an seinen Tisch, unternahm mit ihm Reisen, und war bereit seinen Sohn mit einer Tochter von ihm zu ver­heiraten. »R. Chia und seine Söhne sind so bedeutend wie die Stammvä­ter«, war sein Urteil über ihn. Die Sage lässt durch seine Gebete einen Löwen, der Palästinas Wege unsicher machte, entfernen, Regen eintreffen u. a. m. All­gemein hieß es: »Von der Zeit, da R. Chia nach Palästina kam, hörten die Stürme, Gewitterunglück, die schweren Donner u. a. m. auf. Dieses gute Ein­vernehmen R. Chias mit dem Patri­archen R. Judas I. wurde jedoch durch einige Zwischenfälle auf kurze Zeit ge­stört. In einem Gespräch mit ihm äu­ßerte letzterer, dass R. Huna in Babylo­nien von der männlichen Linie des davidischen Hauses, er selbst aber nur von der weiblichen Linie derselben ab­stamme; es gebühre also ihm das Patri­archat in Palästina, das er ihm auch, wenn er zu ihm käme, übertragen würde. R. Chia merkte sich dieses, und als man eines Tages die Leiche R. Hu­nas nach Palästina zur Beerdigung brachte, rief er im Bezug darauf scher­zend R. Juda zu: »Rab Huna kommt an! « Der Patriarch erschrak, aber die­ser fügte rasch hinzu: »Sein Sarg!« R. Juda I. war über diesen Scherz so sehr erbittert, dass R. Chia sich 3o Tage wie ein Verbannter von ihm fernhalten musste. Ein anderes Mal sprachen seine zwei Söhne, als sie beim Mahle zuviel getrunken hatten: »Nicht früher komme der Messias bis die Richter, die Oberhäupter der Exulanten in Babylo­nien, und die Patriarchen in Palästina geschwunden sein werden.« Der Patri­arch beklagte sich darüber bei ihrem Vater R. Chia, der jedoch weiter die Sache nicht rügte und die Schuld auf ihren Rausch schob. Endlich erregte der Lehrvortrag R. Chias auf freier Straße, was seit der barkochbaischen Erhebung in Folge der hadrianischen Verfolgungsedikte gegen die Juden ab­gekommen war, Anstoß bei ihm. Er er­hielt deshalb unter Hinweisung auf die Verhältnisse Palästinas einen strengen Verweis. Viel wird von seinen Kennt­nissen in der Halacha, Agada und den profanen Wissenschaften gesprochen. Von den dreizehn Halachaformen R. Judas I. lernte er sieben. In den 3o Ta­gen seiner oben erwähnten Entfernung vom Patriarchen lehrte er seine Rechts­entscheidungen, von denen mehrere über Zins und Wucher seinen Namen tragen. Ebenso gern beschäftigte er sich mit dem Bibelstudium. Der Sohn des Patriarchen R. Simon lernte von ihm zwei Bücher der Psalmen. So stand er allgemein geachtet da. R. Juda I. sprach von ihm: »Aus der Ferne kam der Mann meines Rates.« In den profa­nen Wissenschaften glänzte er durch seine medizinischen Kenntnisse und war als Arzt sehr gesucht. Wir nennen seine treffliche Schilderung des Em­bryos im Mutterleibe und die Angabe, dass die Impotenz aus Mangel oder Überfluss an Fettteilen entstehe. Das Blut bei einer Frau vergleicht er mit der Säure eines Teiges. Nach jeder Speise empfiehlt er etwas Salz zu genießen, sowie nach dem Trinken jedes Geträn­kes etwas Wasser. Als Schutzmittel ge­gen Darmkrankheit soll man Brot, ge­taucht in Wein oder Essig, in jeder Jahreszeit genießen sich nicht mit Es­sen überladen, für regelmäßigen Stuhl­gang sorgen, und überhaupt auf Reisen im Genuss nur mäßig sein. Urinieren soll man nur sitzend. Von seinen sym­pathetischen Kuren wird unter anderen genannt, dass man bei einem im Schlund stecken gebliebenen Knochen ein Stück Knochen derselben Art auf den Kopf lege. So wirkte er auch als Arzt segensreich. Dreizehn Jahre litt R. Juda I. an einer Zahnkrankheit, die R. Chia heilte. Viele Verdienste erwarb er sich durch seine Förderung des Bibel­studiums. Er errichtete Schulen und sprach: »Ich mache, dass die Thora nicht in Vergessenheit gerät.« Weiter erzählt er: »Ich baue Flachs an, spinne Garn, drehe Seile, verfertige Netze und fange damit Hirsche, deren Fleisch ich armen Weisen schenke, und aus deren Häuten ich Pergament anfertige. So su­che ich die Städte und Ortschaften auf, wo es keine Jugendlehrer gibt.« In der Halacha verdankt man seiner Tätigkeit in Verbindung mit der des R. Uschijahu die Sammlung und Redaktion der Ha­lachoth, die von R. Juda I. bei der Re­daktion der Mischna »Thosephtos und Boraithos des R. Chia und R. Uschija­hus«; auch »Mischna des R. Chia«. Solchen Arbeiten blieb auch die allge­meine Anerkennung nicht aus. R. Juda I. wiederholte oft: »Wie groß die Werke eines R. Chia! Sie sind größer als die des R. Ismael, Sohn Joses.« Man nannte ihn gleich Esra, den Wiederher­steller des Gesetzes. Im Vergleich mit den Verdiensten des R. Simon ben La­kisch heißt es: »Du machtest Reisen, um zu lernen, aber R. Chia reiste um­her, um zu lehren.« Seine Zeitgenossen und Kollegen, mit denen er disputierte, waren: R. Juda I., R. Simon Sohn des­selben, R. Jonathan u. a. m. Zu seinen Schülern gehörten: Abba, genannt Rabh, Rabbah b. Ghana u. a. m. Aus seinem Privatleben kennen wir seine Mahnung an seine Frau, der er eine Münze für richtig erklärte, die doch nicht angenommen wurde. Als Babylo­nier war er ein Feind der römischen Herrschaft. Er sah Schmeißfliegen auf Obstkörben und sprach: »Diesen hier gleichen die Römer! « Bei einer anderen Gelegenheit hören wir ihn: »Der Ewige bestimmt den Weg« d. h. Gott wusste, dass Israel nicht das drückende Joch Roms ertragen wird, darum bestimmte er Babylonien zum Aufenthalt für das­selbe. Für die den Israeliten verheißene Erlösung diente ihm das Morgenrot als Bild, auf das er hinwies. »Wie dieses Morgenrot, sprach er, allmählich seine Strahlen da und dort ausbreitet, so wird die Erlösung der Israeliten sein.« In Bezug auf die Bibel waren seine Leh­ren: das Buch Hiob hatte keinen Israe­liten zum Verfasser. Salomo schrieb erst im Alter seine drei Schriften u. a. m. Er starb, und bei seinem Tode, er­zählt die Sage, fielen vom Himmel Feu­ersteine, Meteorsteine.