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§ 3 Antigonos, ein Mann aus Soche | Talmud

§ 3 Antigonos, ein Mann aus Soche

Posted 2 mos ago

§ 3. Antigonos, ein Mann aus Soche empfing (Lehren) von Simon dem Gerechten. Er sagte: Seid nicht wie Knechte, welche dem Herrn unter der Bedingung, dass sie Lohn1 erhalten, dienen, sondern seid wie Knechte, die dem Herrn ohne Bedingung, dass sie Lohn empfangen werden, dienen und es sei die Furcht vor Gott auf euch2.

  1. פרס heisst die Erweisung von Wohltaten an solchen, die gar keinen An­spruch darauf zu machen haben, d. h. man erweist sie aus Gnade und Barm­herzigkeit, wie z. B. jemand zu seinem Knechte oder zu seinem kleinen (unmün­digen) Sohne oder zu seiner Frau sagt: Tue mir dies und jenes, ich werde dir 1 oder 2 Denare dafür geben (die sie auch nicht zu beanspruchen haben und er sie ihnen freiwillig gibt), während שכר ein Lohn ist, der mit Recht gegeben werden muss (den man zu verlangen und auf den man berechtigten Anspruch zu machen hat). Und sagt dieser Fromme (Antigonos): Ihr solltet Gott nicht dienen, damit er euch wohltue und euch vergelte, und ihr immer hoffen könnt auf Belohnung und deswegen ihm dienet, sondern euer Gottesdienst soll dem Dienst von Knechten gleichen, die nicht auf etwas Gutes und auf Vergeltung des Liebesdienstes hoffen.
  2. d. h. man soll zwar Gott aus Liebe zu ihm dienen, wie wir im 10. Ab­schnitt von Sanhedrin auseinandersetzten, aber doch schliesst das die Ehrfurcht vor Gott nicht aus. Darum sagte er: Wenn ihr Gott aus Liebe dienet, sollet ihr die Ehrfurcht nicht gänzlich ausser acht lassen, sondern die Furcht vor Gott soll auf euch sein, denn in der Thora steht bereits das Gebot der Ehrfurcht, wie es heisst (Deuter. 10, 20): „Den Ewigen deinen Gott sollst du ehrfürchten", wozu unsere Weisen bemerken: Diene aus Liebe und aus Ehrfurcht. Sie sagen ferner: Wer Gott liebt, wird nichts vergessen von dem, was Gott ihm zu tun befohlen hat, und wer Gott fürchtet, wird nichts tun, was ihm zu tun verboten ist, denn die Furcht ist die wichtigste Bedingung für die Verbote, und um so mehr für die traditionellen Gebote. Dieser Weise (sc. Antigonos) hatte zwei Schüler, der eine hiess Zadok und der andere hiess Boethos. Wie diese hörten, dass er (Antigonos) diesen Ausspruch tat, gingen sie von ihm fort und sagte der eine zum andern: Siehe, der Lehrer sagte ausdrücklich, dass es für den Menschen weder eine Belohnung (des Guten), noch eine Bestrafung (des Bösen), noch eine Hoffnung (auf ein besseres Jenseits) gebe; sie verstanden ihn jedoch nicht, da bestärkte der eine von ihnen den andern, auszutreten aus der Gesamtheit (des Judentums). Sie verliessen die Thora und es verband sich mit dem einen diese, mit dem andern jene Partei, welche die Weisen Sadducäer und Boehusäer nannten. Da sie aber die Gemeinden nicht zu dem, was sie für Glauben hielten, vereinigen konnten, denn ein solch schlechter Glaube trennt eher die Ver­bundenen, als dass er die Getrennten einigen sollte, neigten sie sich mehr dazu, das zu glauben, was sie bei der Menge nicht leugnen konnten; denn wenn sie es gesagt hätten, hätte man sie getötet, d. h. sie glaubten wieder an die Worte der Thora und sagte jeder zu seiner Partei: Er glaube zwar an die Thora, aber er bestreite die Tradition, die nicht wahr sei, was nur geschah, um sich von den überlieferten Geboten, Befehlen und Verordnungen (der späteren Weisen) loszusagen, da sie nicht alles, was geschrieben und überliefert ist, umstossen konnten. Ausserdem war ihnen das unbequem, eine Trennung herbeizuführen, denn nachdem der Ausgetretene nach seiner Wahl zurückkehrte, konnte jeder erleichtern resp. erschweren, wie er es nach seiner Ansicht für gut fand, da er ja in der Hauptsache nichts glaubte, und verlangten sie vielmehr (von ihren An­hängern) Dinge, die nur von einem Teil Menschen angenommen wurden. Und seitdem kamen diese schlechten (verderblichen) Sekten auf, welche in diesen, d. h. ägyptischen, Ländern Karäer genannt wurden und die bei den Weisen Sadducäer und Boethusäer hiessen, die anfingen, gegen die Tradition Einwände zu erheben und die Verse (in der Bibel) nach Gutdünken auszulegen, ohne dass sie von Weisen darüber etwas vernahmen; so handelten sie gegen den Ausspruch Gottes (Deuter. 17, 11): „Gemäss der Weisung, die sie dir geben und nach dem Rechtsspruche, den sie dir sagen, sollst du tun; nicht weiche von dem Aus­spruche, den sie dir künden, rechts noch links."