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Gamliel I. - Talmud | Talmud

Gamliel I. - Talmud

Posted 4 mos ago

Gamliel I. auch nur: Gamliel, oder mit seinem vollen Ehrennamen: Rab­ban Gamliel. Bedeutender Gesetzes-und Volkslehrer, Tana, zugleich Vorsit­zender des Synhedrions unter Agrippa I. in den letzten 30 Jahren vor der Zer­störung des Tempels, Sohn des Patri­archen Simon und Enkel Hillels I. Das talmudische Schrifttum hat uns eine Menge von Anordnungen dieses Syne­drial-Oberhauptes aufbewahrt, die eine Fülle von Liebe und Sorgfalt für Volkswohl dartun. Wir heben von denselben hervor:

a. die des Shabbathgesetzes. Gegen das frühere Gesetz, dass Krieger oder andere Personen, die am Shabbath zur Rettung von Menschenleben auszogen, die Stelle, wo sie mit ihrem Werke fer­tig geworden, am Shabbath nicht ver­lassen dürfen, erlaubte er denselben die Strecke von z 000 Ellen nach jeder be­liebigen Seite abzuziehen.

b. In Ehesachen. Gegen die aus­drückliche Bestimmung der Schrift, nur die Aussage zweier Zeugen gelten zu lassen, gestattete er die Wiederver­heiratung einer Witwe auf die Aussage auch nur eines einzigen Zeugen. Eine zweite Verordnung war, dass der Ehe­mann, der seiner Ehefrau den Scheide­brief durch einen Boten gesandt hat, denselben wieder nur in der Gegenwart desselben Boten als ungültig erklären dürfe, gegen den früheren Brauch, ei­nen solchen Scheidebrief vor jedem Gericht, auch ohne Beisein des gesand­ten Boten für nichtig erklären zu kön­nen. Eine Dritte betraf die Formel der Scheidungsurkunde, in der alle Namen des Mannes, die hebräischen und frem­den, verzeichnet sein müssen gegen den frühren Brauch, nur den hebräischen einzutragen. Eine Vierte, dass eine Witwe wegen ihres Anspruches auf Er­nährung und die ihr beim Leben des Mannes gemachte Verschreibung den zurückgelassenen Kindern einen Ge­lübdeeid ablegen müsse, dafür noch keinerlei Bezahlung oder Vergütigung erhalten zu haben. Eine Fünfte, dass keine Zeugen den Scheidebrief unter­schreiben sollen gegen den früheren Brauch, die Unterschrift der Zeugen, die den Scheidebrief übergeben sollen, in denselben aufzunehmen. Viele füh­ren auch folgende menschenfreund­liche Verordnungen auf ihn zurück: den Armen der Heiden gleich denen der Israeliten das Ährenauflesen und Teilhaben an den stehen gelassenen Getreideecken usw. zu gestatten, sich nach deren Wohl zu erkundigen, sie zu ernähren, ihre Kranken zu besuchen, ihre Toten zu begraben u. a. m. Auch nichtjüdische Quellen erzählen von seiner Milde, wie er gegen die Verurtei­lung Petri, eines der Häupter der ersten Christengemeinde, sein Wort eingelegt und das Synhedrion für die Freispre­chung des Angeklagten gestimmt habe. Wie weit sich seine Macht und Wirk­samkeit erstreckte, geht aus den Be­richten hervor, dass das Synhedrion, als es einst in seiner Abwesenheit die Bestimmung des Schaltjahres vorneh­men musste, ausdrücklich in die Akten aufnehmen ließ, dass der Beschluss nur dann Gültigkeit habe, wenn er die Be­stätigung des Nassi R. Gamliel I. erhal­ten werde. Seine Synedrialbeschlüsse erfreuten sich der Anerkennung nicht bloß bei den Juden in Palästina, son­dern auch bei denen der entferntesten Gegenden. Erhalten haben sich die Schreiben, die er von seinem Schreiber Jochanan, dem Priester, über die Einrü­ckung eines Schaltmonats anfertigen ließ: »An unsere Brüder in Ober- und Untergaliläa Gruß! Wir benachrichti­gen euch, dass die Zeit da ist, den Zehnten von euren Ölbehältnissen ab­zuscheiden«; »An unsre Brüder im oberen und unteren Darom Gruß! Wir machen euch bekannt, dass die Zeit ge­kommen, die Zehnten eures Getreides abzusondern«; »An unsre Brüder, die Exilanten in Babylonien, Medien, Grie­chenland und an alle übrigen Exilanten Israeles Gruß! Wir tun euch kund, die diesjährigen Lämmer sind noch zart, die Tauben noch nicht flügge, die Zeit des Frühjahrs noch nicht eingetreten, wir beschlossen daher in Gemeinschaft mit unsern Kollegen das Jahr um 30 Tage zu verlängern.« Mit voller Strenge trat er gegen die Überhandnahme von Vermischung und Versetzung bibli­scher Lehren mit fremden Anschauun­gen in seiner Zeit auf, wie dieselbe sich noch in den Bruchstücken der alten griechischen und aramäischen Bibel­übersetzungen vorfinden. So erzählt Abba Halephta, dass er einst zugegen war, wie Gamliel I. eine ihm vorgelegte Übersetzung des Buches Hiob gleich andern apokryphischen Schriften tief in die Erde zu versenken befahl. Wie lange er als Oberhaupt des Synhedrions wirkte, wird nicht angegeben, auch kennt man keine Halachoths, die sei­nen Namen tragen, dieselben sind unter denen von dem Lehrhause Hillels, Beth Hillel, inbegriffen, aber seine volle Be­deutsamkeit tritt uns nochmals in dem Ausspruche, womit man seinen Tod der Mit- und Nachwelt verkündete, entge­gen: »Mit dem Tode R. Gamliel I. hörte die Verehrung der Thora auf, die Beob­achtung der Reinheits- und Absonde­rungsgesetze war vernichtet.« Der Spruch, der ihm zugeschrieben wird, lautet: »Schaffe dir einen Lehrer, trenne dich vom Zweifelhaften und lasse ab vom Verzehnten nach Annahmen und Schätzung überhaupt.« R. Gamliel war der Erste, der den Titel: »Rabban«, Meister, Lehrer, führte.