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Geburt - Geburtswehen - Geburtshilfe - Talmud | Talmud

Geburt - Geburtswehen - Geburtshilfe - Talmud

Posted 2 mos ago

Geburt, Geburtswehen, Geburts­hilfe, Geburtsoperationen und Verfah­ren mit dem Neugeborenen.

I. Geburt. Eine fruchtbare Frau galt, wie bei allen Völkern des Altertums, auch bei den Israeliten als Segen und Freude des Mannes und seines Hauses. Zu den Glückwünschen an die Neuver­mählten gehörte auch der, dass die Frau fruchtbar sein möge. Das fruchtbare Weib erregte Neid, aber ein unfrucht­bares tiefen Schmerz. Die Geburt eines Knaben wurde vom Vater besonders freudig begrüßt, denn im Sohne lebte der Name des Vaters fort. Die männ­liche Erstgeburt galt für heilig, genoss im Hause des Vaters besondere Vorzüge und musste ausgelöst werden.

II. Geburtswehen und schwere Ge­burten. Die Geburtswehen sind nach Aussage glaubwürdiger Reisenden im Orient viel geringer als in Europa. Die Hebräerinnen in Ägypten waren wegen ihrer schnellen Geburten bekannt. »Noch ehe die Hebamme zu ihnen kam, hatten sie schon geboren.« Doch wurden auch da die Geburtswehen als ein göttliches, schmerzliches Verhäng­nis über das Weib betrachtet, welche die Propheten in ihren Strafandrohun­gen als Bild der heftigsten Schmerzen gebrauchen. Sie werden als Krümmun­gen und Windungen der Gebärerin ge­schildert. Sympathische Mittel zur Ver­minderung der Geburtswehen und Beschleunigung der Geburt waren auch bei den Israeliten wie bei anderen Völ­kern üblich. Dieselben bestanden aus Hersagen von Psalmsprüchen, Anlegen gewisser Amulette, seltener die Aufstel­lung der Thorarollen u. a. m. Von schweren unregelmäßigen Geburten kommen in der Bibel vier Fälle vor. Im 1. M. 25. 24. wird von der Nieder­kunft Rebekkas mit Zwillingen berich­tet, von denen der Zweitgeborne, Ja­kob, seine Hand an der Ferse des Erstgeborenen, Esaus, hielt. Hier be­steht die Unregelmäßigkeit aus der allzu schnellen Geburt des Zweiten, die mit der Hand voraus geschah, so dass diese noch die Ferse des Erstgeborenen be­rührte. Von den Ärzten wird eine sol­che Entbindung als sehr gefährlich be­zeichnet, die jedoch immer möglich ist. Eine andere schwere Geburt ist die 1. M. 38. 27. erwähnte, die der Thamar ebenfalls von Zwillingen. Da streckte der eine die Hand he-raus, um welche die Hebamme als Zeichen der Erstge­burt einen roten Faden band, aber bald wurde die Hand zurückgezogen, und es kam der andere zur Welt, den sie Pa­rez, Hervordringling, nannte. Erst nach diesem wurde der erstere mit seinem roten Faden um die Hand geboren, der den Namen Sarach, »Schimmerschein«, erhielt. Hier war eine durch die Natur herbeigeführte Veränderung der ur­sprünglichen Lage des Kindes, die in der Geburtshilfe »Selbstwendung« heißt. Man hat vielleicht dabei an den Riss der Eihäute zu denken, welche die Zwillinge von- einander schied. Eine dritte schwere Niederkunft, die den Tod der Gebärerin zur Folge hatte, ist die der Rahel in 1. M. 35. 17., wobei wir an die Beschwerden der langen Reise und das vorgerückte Alter Ra­hels, die bis dahin keine Kinder hatte, zu denken haben, beides mag wohl das Gefahrvolle der Geburt herbeigeführt haben. Eine Vierte endlich ist die des Weibes Pinchas in 1. S. 4. 19., die in Folge der erschütternden Nachricht von dem Tode ihres Mannes zu früh eintrat und ebenfalls mit dem Tode der Gebärerin endete.

III. Geburtshilfe. Der Gebärerin standen Geburtshelferinnen, Hebam­men, der Geburt kundige Frauen bei, die bei den Israeliten sehr früh, schon in der patriarchalischen Zeit gebraucht wurden. Ihr hebräischer Name war: Mejaldah, auch Moladtha, Geburtshelferin, sonst Cho­chmah , »Weise Frau«, und chaja, oder chajatha, »Le­benbringende«. Ärzte als Geburtshelfer werden erst im talmudischen Schrift­tum genannt. Sie genossen in Bezug auf ihre Praxis manche Vorrechte. Sie wer­den, wenn sie am Shabbath von einem Orte zum anderen geholt wurden, von der Beobachtung des Shabbathgesetzes dispensiert, auch darf man am Shab­bath jede Arbeit zur Geburtshilfe ver­richten. Auf ihre Aussage wird bei Zwillingen die Erstgeburt bestimmt, und sie durften für ihre Kunst Honorar fordern. Ihre Arbeit war das Setzen der Gebärerin auf den Geburtsstuhl, der schon früh bei den Juden gebraucht und unter dem Namen: משבר של היה, oder nur: משבר, bekannt war und die Gestalt wie er heute noch bei den Muhamedanern üblich ist, eines Halbmondsitzausschnittes hatte. Sie empfing erst das Kind, zerschnitt und unterband die Nabelschnur, badete es im Wasser, rieb es mit Salz ab und wi­ckelte es in Windeln, u. a. m.

IV. Geburtsoperationen. Von diesen kommen im Talmud drei Arten vor: a. Die Fruchtzerstückelung; b. der Ein­schnitt an einem der Seitenteile des Unter­leibes und e. die Leibaufschlit-zung.

a. Die Fruchtzerstückelung kommt unter der Benennung: יצא מחותך או מסורס vor und besteht in der Operation, die die Frucht im Mutterleib zerschnei­det oder zerstückelt. Dieselbe kommt vor, wenn das Kind eine solche Lage hat, dass es durch kein künstliches Mittel zur Welt gebracht werden kann, auch wenn es eine üble widernatürliche Gestalt hat u. a. m. Sie geschah zur Ret­tung des Lebens der Mutter. Wie diese Fruchtzerstückelung vorgenommen wurde, darüber sind die Angaben ver­schieden. Nach Maimonides und Aruch fand dieselbe statt, je nach der Lage des Kindes: 1. durch regelmäßige Zerstückelung, erst des Kopfes, dann der Schlüsselbeinteile, sodann der Brust-, Bauch- und Rückenteile usw. aber auch 2. durch unregelmäßige Zer­stückelung, ohne die Beobachtung ei­ner besonderen Ordnung. Dagegen be­hauptet Salomo Jizchaki (Raschi), dass auch bei der zweiten Operationsart eine Ordnung beobachtet wurde, aber diese begann von unten nach oben, mit den Fußteilen zuerst.

b. Der Einschnitt an einem der Sei­tenteile. Diese Operation geht aus der an verschiedenen Stellen vorkom­menden Bezeichnung: יצא דופן her­vor. Sie wurde angewendet, wenn die Lage des Kindes im Mutterleibe so war, dass es nicht anders als künstlich zur Welt gebracht werden konnte. Etwas Näheres über dieselbe kommt im Tal­mud nicht vor. Maimonides zu Nidda ist der Meinung, dass sie durch ein schneidendes Instrument geschah, da­gegen erklärt Raschi, diese Operation vollzog man durch ein ätzendes Mittel. Es war dies ein nicht gefährlicher Akt, der auch in der Regel glücklich ablief, sodass man die Operierte noch für Empfängnis und Geburt fähig hielt.

c. Die Leibaufschlitzung. Diese Operation wurde in der Regel nur an Frauen vorgenommen, die auf dem Kreisstuhl bereits verstorben waren, um das Kind, das sich noch innerhalb der Gebärmutter befand, auf künstliche Weise durch Öffnung des Fruchthalters zur Welt zu bringen. Die Operation, die unter dem Namen »Kaiserschnitt« be­kannt ist, geschah mittels eines Mes­sers, das den Bauch aufschlitzte, um das Kind herauszubefördern. Eine sol­che Operation hat der Gesetzeslehrer und Arzt Samuel in Babylonien ausge­führt. Nach Plinius H. N. VII. 7. ver­dankte Julius Cäsar dieser Operation sein Leben. Wir erwähnen diese Notiz, weil sie auch in Tosephos Aboda sara o. b. vorkommt.

V. Verfahren mit dem Neugebore­nen. Sobald das Kind da war, wurde ihm, wie bereits erwähnt, der Nabel abgeschnitten und unterbunden, wor­auf man es badete, mit Salz abrieb und in Windeln wickelte. Es war dies zur Entfernung des Kindesschleims und zur Kräftigung der Haut. Bei scheinto­ten Kindern wird das Einhauchen des Atems angeraten, um dadurch der er­schlafften Lunge des Neugeborenen nachzuhelfen und zur Selbsttätigkeit anzuregen. Kann das Kind keinen Laut von sich geben, so streiche man auf dasselbe die Nachgeburt, was der jetzt üblichen Methode gleicht, wie man bei solchen Kindern die Nabelschnur nicht unterbindet und das Blut durch die­selbe nach dem Leibe des scheintoten Kindes hin streicht, um dadurch den erforderlichen Blutumlauf zu fördern. Endlich heißt es, wenn das Kind nicht saugen kann, so hat es eine Lähmung durch Erkältung. Man nehme einen Kohlenbecher und halte ihn vor dem Munde desselben.