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Geister - Gespenster - Gewalten - Dämonen - böse Geister - Talmud | Talmud

Geister - Gespenster - Gewalten - Dämonen - böse Geister - Talmud

Posted 2 mos ago

Geister; Gespenster, Gewalten; Dä­monen, böse Geister. Der Dämo­nenglaube oder die Dämonenlehre, die Lehre von den Geistern, bildet einen Teil der Geheimlehre, der jüdischen Theosophie, welche verschiedene Ent­wicklungen durchgemacht hat. Das bi­blische Schrifttum kennt keine bösen Geister im Sinne des Parsismus oder der ägyptischen Mythologie, der Darstel­lung des Gottes Typhon, als einer gegen das Gute arbeitenden selbstständigen Gottesmacht, Geisterschar; die reine Gottesidee in der Bibel, die Verkündi­gung der Gotteseinheit mit ihrem Hei­ligkeitsruf ist ein Protest gegen jede Teilung der Gottheit und lässt den Glauben an böse Geister nicht zu. Ge­gen den im Volksglauben bei den Israe­liten dennoch herrschenden Dämo­nenglauben stellt der Mosaismus eine Reihe von Lehren und Gesetzen zu des­sen Bekämpfung auf. »Und sie sollen nicht den Seirim, Gespenstern in bock­ähnlicher Gestalt, opfern, denen sie nachbuhlen, ein ewiges Gesetz bei eu­ren Nachkommen«; »Wer einer Got­tesmacht opfert, soll verbannt werden, nur dem Ewigen«; »Sie ereiferten sich durch fremde Wesen, kränkten ihn mit ihren Gräueln«, sind einige von densel­ben. Nur in einer völligen Umbildung dieses Geisterglaubens im Sinne des Monotheismus, wo die Geister als Gott untergeordnete, nur seine Befehle voll­ziehende Mächte gekannt sind, kom­men sie in den biblischen Büchern vor. So ziehen Engel des Verderbens im Auftrage Gottes zur Zerstörung So­doms, sie bringen den Erstgeborenen in Ägypten den Tod u. a. m. Auch der Satan, als Haupt der Dämonen, muss sich in den ihm streng gezogenen Gren­zen halten, er darf bei der Versuchung Hiobs den Befehl: »nur sein Leben be­wahre« nicht übertreten. In dieser Mo­difikation war der eigentliche Dämo­nenglaube aufgehoben, er wurde dem Volke nur noch dem Namen nach gelassen. Aber mit der Berührung des Ju­dentums mit dem Parsismus, für den es in den Religionslehren der Juden man­nigfache Anknüpfungspunkte gab, trat der alte Volksglaube an Dämonen in seiner ganzen, dem Monotheismus wi­dersprechenden Gestalt hervor. Mit rühmlicher Energie kämpft daher der Prophet Jesaja gegen diesen heid­nischen Dämonenglauben. »Gott ist, ruft er, der Bildner des Lichts, der Schöpfer der Finsternis, welcher den Frieden macht und das Böse schafft.« Die nachexilischen Schriften müssen, wie nie zuvor, um vom Volke verstan­den zu werden und auf dasselbe zu wirken, in dessen Sinn- und Denkweise viel zu viel von Engel- und Geisterer­scheinungen sprechen. Wieder waren es erst die Propheten und später die Gesetzes- und Volkslehrer von Esra ab, die den Geisterglauben in seine alten Grenzen einzuschränken suchten. Aber die Mühe war diesmal nur teilweise von Erfolg. Schon aus den uns erhal­tenen älteren Apokryphen, dem Buche Henoch, den Jubiläen, dem 4. Buch Esra u. a. m., aber mehr noch aus den jüngeren: dem Buche Tobi, dem Buche der Weisheit Solomos u. a.m. sowie aus den Evangelien geht hervor, dass der Glaube an böse Geister ganz im Sinne das Parsismus bei einem großen Teile des jüdischen Volkes in Palästina Auf­nahme gefunden. Die bösen Geister sind bei ihnen die Abkömmlinge der von Gott abgefallenen, Gott feind­lichen geistigen Mächte; sie bilden den Gegensatz zu dem Reich des Guten, deren Machtgebiet die Finsternis ist und deren gemeinsames Streben: die Bosheit, die Unlauterkeit und die Fins­ternis ausmachen. So wird von 7 Geis­tern der Unreinheit, des Irrtums, ganz nach der Lehre des Zoroaster gespro­chen. Die Tätigkeit der Gesetzes- und Volkslehrer gegen den Dämonenglau­ben erstreckte sich daher, wie bereits oben erwähnt: a. auf die Bekämpfung desselben in seinen Auswüchsen, die ihn als einen Zweig des Parsismus er­scheinen lassen und b. auf die Wieder­herstellung seines ihm verloren gegan­genen monotheistischen Gepräges. So bildete sich die Dämonologie im Ju­dentum aus, die wir nach ihren ver­schiedenen Teilen nunmehr kennen ler­nen wollen.

I. Name und Bedeutung. In der Be­nennung der bösen Geister im nachbi­blischen Schrifttum der Juden haben wir die Allgemeine von der Speziellen zu unterscheiden. Die Allgemeine ist die Ältere und tritt mehr als Gattungs­bezeichnung auf. Es gehören hierher:

die drei Namen: Geister, ruchin; Ge­walten, schedim und Gespenster, lilin, Nachtgeister, weibliche Gespenster, die bald zusammen, bald auch einzeln vor­kommen. Außer diesen kommen noch vor: Morgengespenster, zephirin; Mit­tagsgespenster, tiharim. Man kannte somit: Morgen-, Mittags- und Nacht­gespenster. In diesen Namen haben wir keine Bezeichnung für das Boshafte ih­res Wesens, wofür sie im Parsismus gehalten werden. Nur in Bezug auf ihre Ausführung eines bösen Auftrages kommen sie unter deren Bezeichnun­gen: »Schädigende Engel«, malache chabala, oder nur: »Schädigende«, ma­sikim, seltener: »Böse Geister«, ru­choth raoth, vor, sonst kennt man sie auch als Vollzieher guter Handlung, wie sie als solche in verschiedenen Sa­gen durch ihre Dienstleistungen bei Menschen bezeichnet werden. Sie ent­decken den Volkslehren mehrere Ge­heimnisse und werden in den magi­schen Sprüchen auch als zum Heilen gewisser Krankheiten gekannt (Sab­bath 67 a.). Es ist der Monotheismus, dem der Geisterglauben sich unterord­nete und mit ihm nicht in Widerspruch sein durfte. Jüngeren Ursprungs ist die Benennung der Geister nach bestimm­ten Eigennamen. So heißen die Anfüh­rer der Geister: Aschmedai, Lilith oder Agrath bath Machla, von denen erstere der Anführer der männlichen Geister-schar, aber letzterer der Weiblichen ist. Dagegen kommen hier die Namen Sa­tan, Teufel, Feind, Widersacher u. a. m., welche die Apokryphen und Evange­lien als Bezeichnungen der Häupter der bösen Geister haben, gar nicht vor; auch der Ausdruck: »Reich des Sa­tans«, der so häufig in diesen externen Schriften angetroffen wird, findet sich hier nicht; ein Beweis, dass man bei ih­ren Angaben sehr vorsichtig war und alles mied, was mit dem Monotheis­mus unvereinbar schien. Von den an­deren Eigennamen der bösen Geister nennen wir erst die, welche in den Bannsprüchen vorkommen. Wir heben von denselben drei heraus, die eine nicht geringe Menge solcher Eigenna­men bringen. z . der Spruch gegen die Schädlichkeit des Wassertrinkens an den Abenden von Mittwoch und Sonn­abend lautet: »Meine Mutter warnte mich vor Schavrejari; Schavrejari Bre­jari, Rejari; Jari und Ri. 2. Der Spruch gegen Eitergeschwulst bringt die Eigen­namen: Bus; Busjih; Mus; Musjih; Chus; Chassi; Scharlai und Amarlai. 3. In dem Spruche gegen böse Geister im Allgemeinen werden genannt: Temo; Tena und Chasmogs. Diese sämtlichen Namen sind persischen Ursprunges, die sich unzweifelhaft aus dem Parsis­mus bei den Juden in den babyloni­schen Ländern eingeschlichen haben. Doch werden noch andere Eigennamen der bösen Geister genannt, die auf eine andere Heimat hindeuten. Dieselben sind: a. Schida Schomron, Dämon Sa­marias, eine Anspielung auf den Göt­zendienst des Zehnstämmereichs, das als Gegensatz zum Reiche Judas als vom bösen Geiste besessen dargestellt wird; b. Bar Scheda, Junger Dämon; c. Ben Nephalim, Dämon der Engbrüs­tigkeit, auch des Irrsinnes, Nujaitun; d. Ben Temalion, Dämon gekannt unter dem Namen Lamatoch, von dem Si­mon ben Jochai eine Kaisertochter be­freit haben soll; Chamath, ein Öldä­mon, der bei Gebrauch dieses Öls Blasen ins Gesicht treibt; Schibta, Dä­mon der Kinderhalskrankheiten, der auch auf Brot, das mit ungewaschenen Händen berührt wird, haust; Ruach Kazrith, Dämon des Wahnsinnes; Kar­diakos, Dämon des Magenkrampfes u. a. m. Man sieht, dass es fingierte, den ihnen zugeschriebenen Wirkungen ent­lehnte Namen sind, ganz wie die Na­men der Engel sich auf die Sendung und Tätigkeit derselben beziehen. Auch Menschennamen werden ihnen beige­legt, meist von denen, mit denen sie verkehrten. So kennt man einen Dä­mon Joseph, Joseph Sched, der Lehren dem Lehrer Rab Joseph und anderen Lehrern mitteilte; einen Dämon Jona­than, Jonathan Sched, der den Rab Chanina belehrte.

II. Schöpfung, Entstehung, Gestalt, Wesen, Eigenschaften und Macht. Die Frage über den Ursprung des Bösen bildete die Grenzscheide zwischen dem Judentum und den anderen alten Reli­gionen. Der Parsismus und die ägypti­sche Mythologie lehren zwei sich fort­während bekämpfende Urmächte, einen Gott des Guten und einen Gott des Bösen, dagegen setzt die Bibel den Ursprung des Bösen in den Menschen, in sein Wollen und Vollbringen und be­kämpft obige Annahmen als einen Irr­glauben. Hiermit ist auch die Frage über die Entstehung der bösen Geister verbunden. Die Bibel gibt darüber kei­nen Aufschluss, aber die Apokryphen und das talmudische Schrifttum brin­gen über diesen Punkt verschiedene Angaben. Nach dem Buche Henoch sind es die Seelen jener Riesen, der Ab­ kömmlinge der Engel, die von Gott ab­gefallen und sich mit Menschenfrauen vermischt hatten. Andere betrachten sie als die Seelen der babylonischen Turmbauer oder der in der Sündflut umgekommenen Bösen. Beide Anga­ben finden wir im talmudischen Schrift­tum wieder. Eine andere Stelle teilt eine dritte Annahme mit: Die bösen Geister stammen von Adam her, die er in den 130 Jahren der Verbannung mit der Li­lith zeugte. Solche Aufstellungen über die Entstehung der bösen Geister er­schienen den nüchternen Gesetzesleh­rern doch zu sehr im Sinne des Parsis­mus, da auch nach ihnen dieselben immer Abkömmlinge einer gegen Gott widersetzlichen und gegen ihn han­delnden Macht bleiben. Die Mischna verwirft daher diese Angaben und be­trachtet die Dämonen (Schedim) gleich anderen Schöpfungen als durch Gott geschaffene Wesen. In Bezug auf ihre Gestalt hören wir, dass sie als Geister geschaffen wurden und ursprünglich keine leibliche Gestalt erhielten, aber in ihrem Dienste nehmen sie meist eine menschliche, männliche oder weibli­che, Gestalt an. Doch auch diese kön­nen sie sich nicht ganz aneignen. So soll ihre Gestalt nicht denselben Schat­ten haben, wie der Mensch, woran man den Dämon erkennen könne. So werden die Seirim als schwarze Ko­bolde bezeichnet; der weibliche Dämon Lilith hat langes Haar und ist geflügelt; die Schedim unter dem Kapernstrauch haben keine Augen u. a. m. Im Ganzen bilden sie das Mittelglied zwischen den Engeln und den Menschen. »In drei Dingen, heißt es, gleichen die Schedim den Engeln und in drei den Menschen. Sie haben Flügel, schweben in der Luft (von einem Ende der Welt zum ande­ren) und wissen die Zukunft, hiermit gleichen sie den Engeln. Aber in ande­ren drei: sie nehmen Speise und Trank zu sich, pflanzen sich fort und sterben — sind sie wie die Menschen.« Auch in ihrer Macht werden sie gleich anderen Geschöpfen als nur beschränkt darge­stellt. Wir bringen darüber den Aus­spruch eines Lehrers im 3. Jahrh. n., des R. Simon: »Wann ist Gottes Ruhm größer, wenn es Schedim gibt, oder wenn keine sind? Gewiss, wenn es de­ren gibt und sie nicht schädigen dür­fen.« Es werden Mittel angegeben, wie sie schadlos gemacht werden können, und in den Sagen von ihrem Verkehr mit den Menschen zeigen sie sich ihnen dienstfertig und gehorsam. Eine Sage erzählt: Agrath bath Machlath, die weibliche Anführerin einer Dämonen­schar, begegnete dem Gelehrten R. Chanina und sprach zu ihm: »Hätte man im Himmel nicht ausgerufen, ha­bet Acht auf Chanina und seine Lehre, ich wäre dir gefährlich geworden.« R. Chanina antwortete: »Wenn ich im Himmel so angesehen bin, befehle ich dir, nicht mehr an bewohnten Orten herumzustreifen.« Da bat sie ihn, ihr doch dieses nur zu bestimmten Zeiten zu erlauben. Er gestattete es ihr in den Mittwoch- und Sonnabendnächten. In einer andern Sage verurteilt Mar bar Rab Aschi einen Sched, der ein Fass zerbrochen hatte, zum Schadenersatz. Derselbe versprach in bestimmter Zeit den Schaden zu bezahlen. Aber die Frist verstreicht und der Dämon bringt erst später sein Geld herbei. Auf den Vorwurf der Verzögerung erzählt er, dass ihm erst jetzt die Auftreibung des Geldes möglich geworden, da er über alles Eingebundene, Gemessene und Gesiegelte keine Macht habe.

III. Zahl, Arten, Aufenthalt und Tä­tigkeit. Über die Zahl der Dämonen berichten erst die Lehrer des 4. Jahrh. n. in Babylonien. Nach Abaji sind sie zahlreicher als die Menschen, die sie, wie der Erdhaufen den Weinstock, um­geben. Rab Huna sagt, dass jeder Mensch deren Tausend zur linken Hand und zehn-tausend zur rechten habe. Es gibt keinen leeren Raum, der nicht voll von Schedim wäre. Ein älte­rer Abba Benjamin bemerkt darauf: »Könnte das Auge sie sehen, kein Ge­schöpf würde bestehen können.« Man sieht, welch mächtiger Einfluss der Par­sismus auf die späteren Lehrer hatte. Der Mensch, wer und wo er ist, bleibt ein Kind seiner Zeit und seines Ortes, der sich deren Einflusses nicht ganz er­wehren kann. In Bezug auf ihre Arten kenne sie männliche und weibliche Dä­monen, von denen sich jede zu ihrer Schar hält und unter einem Anführer steht. Der Anführer der männlichen Dämonenschar ist ein Aschmedai und die Anführerin der weiblichen ist Agrath bath Machla oder Lilith. Fer­ner unterscheidet man junge und alte Dämonen, Morgen-, Mittags- und Nachtgespenster. Man spricht auch von Dämonen auf Gräbern, die dem Menschen in der Zauberei behilflich sind und von solchen, die den Gesetzes­lehrern dienstbar sind und ihre Ge­heimnisse offenbaren. Über ihren Auf­enthalt sind die Angaben verschieden. Nach einigen wählen sie einsame öde Ortschaften als z. B. Ruinen, Aborte, auf den Gräbern, unter Kappersträu­chern und Speerbäumen, in Weinber­gen, unter dem Schatten der Palmen, unter dem Schatten des Mondes u. a. Andere geben ihre Wohnorte auch in den Städten, besonders in Tiberias, und in dem Orte, wo R. Chanina bar Papi lehrte. Auch auf Speisen: Öl, Wasser, Brot u. a. m. weilen sie. Interessanter ist die Darstellung ihrer Tätigkeit. Schon oben bemerkten wir, dass die Dämo­nen in ihrer Tätigkeit im Gegensatz zu den Daews im Parsismus als abhängige und beschränkte Wesen bezeichnet werden. In einigen Zügen ihrer Tätig­keit wollen wir dies weiter und aus­führlicher darstellen. Eine ihrer Haupt­tätigkeit sollen die Magie und die magischen Künste sein, welche die Menschen durch ihren Beistand voll­ziehen. Alles, was die Propheten und später die in Frömmigkeit und Heilig­keit lebenden Gelehrten (die Männer der Geheimlehre, die Kabbalisten) tun zu können vorgaben, kann ebenso durch die Dämonen vollbracht werden. »Die Zauberer in Ägypten, die sämt­liche Wunder Moses nachmachten, heißt es, haben dieses nur durch Hilfe der Dämonen getan.« Doch werden sie auch in dieser, ihrer Tätigkeit als be­schränkt bezeichnet; sie können keinen Gegenstand, der kleiner als eine Linse ist, erschaffen. Scherzend bemerkt dar­auf Rab Papa: »Bei Gott! Auch kein Kamel können sie erschaffen, nur dass große Tiere leichter abzurichten sind, weshalb sie ihre Kunst nur bei ihnen, aber nicht bei ganz kleinen Tieren in Anwendung zu bringen vermögen. « Man sieht, wie der Dämonenglaube schon damals nur noch im Volke seine Stätte hatte, aber bei den Gesetzesleh­rern längst erschüttert war. Über die engen Grenzen ihrer andern Tätigkeit hatten sie die Lehre, dass über alles Ge­messene, Gezählte und Versiegelte sie keine Macht haben. Zur Störung ihrer Tätigkeit im Allgemeinen genügt ihre Beschwörung durch den Gottesnamen bei dessen Nennung sie machtlos werden. Im Allgemeinen gehört zu ih­rer Tätigkeit nicht bloß dem Menschen zu schaden, sondern auch ihm zu nüt­zen. So lehrte ein Sched die Schädlich­keit gewisser Pflanzenschatten; ein an­derer entdeckt die Funktionen des Dämonenkönigs Aschmedai; raten der Gefahr auszuweichen u. a. m.