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Heiligung und Entweihung des göttlichen Namens | Talmud

Heiligung und Entweihung des göttlichen Namens

Posted 2 mos ago

Heiligung und Entweihung des göttlichen Namens. Die Heili­gung des göttlichen Namens in der Be­deutung von Verherrlichung Gottes, der Gottesidee, des Gottesglaubens des Judentums sowie die den Gegensatz derselben ausdrückende Entweihung des göttlichen Namens als eine Schän­dung Gottes, des Gottesglaubens, beide in ihrem gegensätzlichen Tun werden in Bibel und Talmud in ihrer vollen sittlichen Bedeutsamkeit mahnend her­vorgehoben, erstere zur Beachtung und Vollziehung, aber letztere zur Vermei­dung und Fernhaltung. So wird den Priestern befohlen: »Heilig sollen sie ihrem Gotte sein und den Namen ihres Gottes nicht entweihen«; den Israeliten besonders: »Beobachtet meine Gebote und vollziehet sie.« »Entweihet nicht meinen heiligen Namen, ich werde ge­heiligt in der Mitte der Söhne Israels, ich der Ewige, der euch heiligt.« Spezi­eller: »Und von deinem Nachkommen gib nicht für den Moloch durch das Feuer zu führen; entweihe nicht den Namen deines Gottes, ich der Ewige!«; »Und so schwöret nicht bei meinem Namen zur Lüge, du entweihest den Namen des Gottes, ich der Ewige«; »Und ich richte mein Angesicht gegen diesen Mann, — denn von seinem Nach­kommen gab er dem Moloch, um mein Heiligtum zu verunreinigen und mei­nen heiligen Namen zu entweihen.« Diese Aussprüche stellen die Heiligung und Entweihung des göttlichen Na­mens als Folgen und Endresultate der Erfüllung und Nichterfüllung des Ge­setzes dar. Es ist die Heiligkeitsidee, das Prinzip des Mosaismus, das hier wieder zur Geltung kommt und lehrt: nicht so sehr dem Bestand oder Nicht­bestand des Gesetzes, als vielmehr der Verherrlichung oder Schändung der Gottesidee, des Gottesglaubens, der Heiligung oder Entweihung Gottes gilt die Beachtung oder die Nichtbeach­tung des Gesetzes. Israel als Repräsen­tant, Träger und Verkünder der Gotte­sidee verherrlicht dieselbe, wenn seine Werke gegen sie zeugen, das Entgegen­gesetzte vollführen. So wird dem um den Tod seiner zwei Söhne, die gegen das Gesetz fremdes Feuer zum Räu­cherwerk nahmen, trauernden Aaron zugerufen: »Das ist es, was der Ewige geredet: durch mein Nahen sollte ich geheiligt sein und vor dem ganzen Volke geehrt werden!« Auf einer ande­ren Stelle lautet desto schärfer die Rüge an das Bruderpaar Moses und Aaron wegen ihres Vorgehens am Aderwas­ser: »Da ihr nicht an mich geglaubt habt, mich in den Augen der Israeliten zu heiligen, so sollet ihr diese Gemeinde nicht in das Land bringen.« Wie hier den Lehrern innerhalb Israels, so wird von den Propheten Israel in der Mitte der Menschheit als Verkünder der Got­tesidee unter den Völkern jedes Verge­hen als eine Entweihung, jede Tugend als eine Heiligung des Gottesnamens vorgeführt. »Gott der Heilige wird durch Wohltun geheiligt«, lautet der Ruf Jesajas. »Sie tun, — um meinen hei­ligen Namen zu entweihen«, wieder­holt Amos. Am schärfsten bildet dieses das Thema der Hauptreden im Buche Ezechiel, die an die im Exil, unter den Völkern sich befindenden Israeliten ge­richtet sind. Lebendig führt er ihnen des Israeliten Aufgabe unter den Völ­kern ans Herz und beschwört sie, durch ihr Leben und ihre Werke den Gottesglauben zu heiligen, ihn zu ver­herrlichen aber ja nicht ihn durch sündhafte Werke zu entweihen. »Ich will durch euch in den Augen der Völ­ker geheiligt werden«; »Ich möchte durch sie geheiligt werden«; »Und ich heilige meinen großen Namen, der ent­weiht ist unter den Völkern, den ihr unter ihnen entweihet habt«; »Und meinen heiligen Namen mache in mei­nem Volke wieder kund, ich lasse nicht mehr meinen Namen entweihen; die Völker sollen wissen, dass ich der Ewige, der Heilige in Israel bin«, sind einige solcher Mahnungen. Im talmu­dischen Schrifttum erhält der Begriff der Heiligung und Entweihung des göttlichen Namens eine umfassendere Bedeutung. Man versteht darunter das Märtyrertum, die Aufopferung für die Religion, das Einstehen mit seinem Le­ben für die Erhaltung, Nichtverletzung ihres Gesetzes; andererseits auch das Gebot zur Unterlassung jeder Hand­lung oder Handlungsweise, die den Is­raeliten in den Augen der Nichtjuden, auch der Heiden herabwürdigt oder Anstoß und Ärgernis erregt. Ersteres wird in Bezug auf die obere Stelle 3. M. 22. 31-32. »Entweihet nicht meinen Namen, und ich will geheiligt werden in der Mitte der Söhne Israels«, gelehrt, jedoch mit der Einschränkung, dass man hierzu nur bei den drei Verboten: des Götzendienstes, des Mordes und der Unzucht verpflichtet sei. In Betreff der zweiten Art machte man es zur Pflicht, Gefundenes auch den Heiden zurückzuerstatten. So wird von dem Synedrialpräsidenten Simon ben Sche­tach erzählt, dass er den um den Hals eines von einem Heiden gekauften Esels gefundenen Edelstein zurücker­statten ließ mit den Worten: »Den Esel habe ich gekauft, aber nicht den Edel­stein.« Der Heide, erstaunt über so viel Rechtschaffenheit, rief dankbar aus: »Gepriesen sei der Gott des Simon ben Schetach! « Eine andere Mahnung warnt den jüdischen Richter, nicht der heidnischen Rechtspartei gegenüber ir­gendeine Rechtsverdrehung zu gebrau­chen. Heiligung und Nichtentweihung des göttlichen Namens soll besonders Sache des Volkslehrers sein, der jeden geringsten Anstoß, das geringste Ärgernis zu meiden hat. »Der Gelehrte, der an jedem Mahle sich beteiligt, ent­weiht den Namen Gottes«, lautet eine Lehre darüber. Ein Lehrer des 3. Jahrh. n., Rabh, war darin so vorsichtig, dass er beim Kauf einer Sache die sofortige Nichtbezahlung als eine Entweihung des göttlichen Namens hielt. Es ge­reicht nicht wenig den Talmudlehrern zur Ehre, dass sie in Kollisionsfällen dem Werke der Nichtentweihung des göttlichen Namens den Vorzug zuer­kennen. So lehrte R. Jochanan (im 3. Jahrh. n.): »Man reiße lieber einen Buchstaben (Gesetz) aus der Thora und entweihe nicht öffentlich den Namen Gottes.« Von R. Chanina (im 2. Jahrh. n.) ist die Lehre: »Besser eine Sünde im Geheim zu begehen als Gottes Namen öffentlich zu entwei­hen.« In einer anderen Lehre, die al­lerdings mehr agadischen Charakter hat, geht der schon genannte Lehrer Rabh so weit, dass er den heimlichen Götzendienst einer öffentlichen Ent­weihung des göttlichen Namens vor­zieht. Ein anderer findet den Grund des Nicht-übernachtens der Men­schen auf dem Galgen, weil dies zur Entweihung des göttlichen Namens führen könnte. Andere Lehrer mah­nen, dass man zur Vermeidung jeder Entweihung des göttlichen Namens die Heuchler veröffentliche, auch die Ehre eines Lehrers nicht schone, u. a. m. Im Allgemeinen lautete die Mahnung eines Lehrers im 2. Jahrh. n., des R. Jochanan ben Beroka: »Wer im Geheimen den Namen Gottes ent­weiht, der wird öffentlich dafür bü­ßen. «