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Keduscha | Talmud

Keduscha

Posted 2 mos ago

Keduscha, aramäisch: Heiligung.

Bekanntes Gebet der Gottesheili­gung, der Anerkennung der Heiligkeit Gottes, eines der ersten Stücke des Achtzehngebetes, Schemone Esre, so­wie ein Bestandteil zweier anderer Ge­bete des Morgengottesdienstes, des um Erleuchtung und des um Erlösung. Es ist das Gebet, das die Gottesheiligkeit, wie sie in der heiligen Schrift als Ur-und Vorbild für die Heiligkeit, die hei­ligende Erhebung des Menschen, das Prinzip des Religiössittlichen im Judentum gelehrt wird, zum Ausdruck bringt und somit zu einem der wichtigsten Gebete der synagogalen Liturgie wird. Ein heiliger Gott, der Glaube an einen heiligen Gott, diese Zeichnung der in der Weltleitung und Weltregierung sich offenbarenden Gottesgestalt, die Gott in einer höchst sittlichen Vollendung dem Menschen vorführt und ihm zu­ruft: »Heilig sollet ihr sein, denn heilig bin ich, der Ewige, euer Gott! «, bildete so sehr den Grundzug des Judentums, wurzelte so tief in dem religiösen Be­wusstsein seiner Anhänger und wurde von ihnen so hochgehalten, dass sie denselben als einen Engelruf, eine Got­tespreisung der Himmelsmächte be­zeichneten. Es ist die höchste Darstel­lung, die sie dafür hatten, die größte Zeichnung, die sie für dieselbe entwerfen konnten. Der Prophet Jesaja wird zum Propheten geweiht: Die erste Er­scheinung, die er hat, das erste Wort, das er vernimmt, ist der Ruf der Se­raphim: »Heilig, heilig, heilig ist der Ewige Zebaoth, voll ist die Erde seiner Herrlichkeit! « Die Vision der Gottes-und Himmelsmächte des Propheten Ezechiel schließt mit dem Preis der En­gel: »Gepriesen sei die Herrlichkeit Gottes von ihrer Stätte!. Dieselbe ist nicht der Heiligkeitsruf der Seraphim, wie bei Jesaja, aber sie schließt sich demselben eng an und ergänzt ihn. Die Idee von der Herrlichkeit Gottes als Ausdruck der in der Welt sich offenba­renden Gottesgestalt, von der der Pro­phet Jesaja durchdrungen ist, und die er als einen die ganze Erde erfüllenden Heiligkeitsruf schildert, wird in der Engelerhebung bei Ezechiel zu einer Gottespreisung, zu einem in Lob und Preis überströmenden Dank für die ge­wordene Gotteserkenntnis, Gottesan­erkennung. So hat Jesaja die Erkennt­nis, die Anerkennung des Gotteswaltens in der Welt, Ezechiel den Dank und den Preis für dieselbe. Es fehlt noch das Dritte, der Wunsch nach der weitesten Ausbreitung dieser Gottesanerken­nung, dass sie sich der ganzen Mensch­heit bemächtige. Aber dasselbe ist nicht so sehr Sache des Propheten, als des Psalmisten. Der in den Psalmen oft wiederkehrende Ausruf: »Ewig wird der Herr regieren, dein Gott, Zion, von Geschlecht zu Geschlecht, Halleluja!« bringt das Dritte, ergänzt, was gleichsam hier fehlt. Sinnig hat daher die Li­turgie für den Synagogen-Gottesdienst diese drei sich so ergänzenden Schrift­stellen über die Anerkennung des Got­teswaltens in der Welt zusammenge­stellt und zu einem Gebet formuliert. Es ist das Gebet unter dem Namen »Gottesheiligung«, Keduscha, das von uns hier besprochen wird. Die Benen­nung Gottesheiligung, »Keduscha«, als Bezeichnung dieses Gebetstückes, kommt im talmudischen und nachtal­mudischen Schrifttum mit mehreren Nebenbestimmungen vor, die dieselbe genauer angeben. a. »Die Heiligung des Gottesnamens«, auch: »Die Heili­gung des großen Gottesnamens«, (Tar­gum Jonathan), als eine der drei Bene­diktionen des Achtzehngebetes (s. Schemone Esre); b. »Die Heiligung des Tages«, die tägliche Gottesheiligung; c. »Die große oder hohe (himmlische) Heiligung,« eine Bezeichnung, die ihre Wichtigkeit ausspricht; d. »Die Heili­gung der Ordnung«, eine Benennung dieses Gebetstückes in aramäischer Sprache, welches eine Paraphrase zu den drei betreffenden Stellen hat, die für die des Hebräischen Unkundigen abgefasst war und in unserem Gebet­buch dem Gebete um Erlösung ange­hört; e. »Die Heiligung im Stehen«, d. h. die stehend verrichtet wird, als die Keduscha im Achtzehngebet; f. »Die Heiligung im Sitzen«, die auch sitzend gebetet werden kann, es ist die Kedu­scha in dem Gebet um Erleuchtung. Der Ursprung dieses Gebetes wird als sehr alt erklärt, es soll von der Tätig­keit der großen Synode herrühren, also noch der vormakkabäischen Zeit ange­hören. Im Talmud wird dasselbe als schon vorhanden von den Lehrern des zweiten und dritten Jahrhunderts n. er­wähnt. Die mystische Agada hat sich dessen sehr früh bemächtigt und in vie­len Stücken bearbeitet, sodass von der­selben schon in Sifri (zu 5. M. 33. 2) und in dem Targum Jeruschalmi und Targum Jonatahn zu 5. M. 32. 3 und Jesaja 6. 3, Ezechiel 3. 15 vorkommt. Bestandteile dieser mystischen Agada von der Keduscha haben Pirke de R. Elieser (Absch. 4 am Ende) die kleinen Midraschim, als z. B. der Midrasch Ka­nen; der Midrasch Hechaloth, ein Midrasch in Jalkut § 83o und zu Je­cheskel § 34o, auch im Rokeach zu ha­lachoth Berachoth und im Tania Rab­bathi § 4. In denselben wird der Ruf: »Heilig, heilig, heilig!« in diesem Ge­bet als eine göttliche Krönung bezeich­net. Die Formel und der Text dieses Gebetes haben viele Bearbeitungen er­litten und liegen uns in verschiedenen Rezensionen vor. Wir kennen fünf Ab­fassungen desselben, die bald mehr, bald weniger voneinander abweichen. Hierher gehören drei unseres Gebet­buches: 1. die des täglichen Gottes­dienstes; 2. die des Morgengebetes zu Shabbath und Fest, und 3. die des Mussafgottesdienstes zu Shabbath und Fest; ferner 4. die von Maimonides und 5. die im Gebetbuch der Sephardim, der Chassidäer unserer Zeit. Von diesen scheint die Keduscha zum täglichen Morgengottesdienste unseres Gebet­buches die einfachste und ursprüng­liche Form zu haben, welche in den hier genannten anderen Formularen dieses Gebetes durch Zusätze und Ein­schiebsel verschieden erweitert wurde. Die Keduscha des täglichen Morgen­gottesdienstes in unserem Gebetbuch kommt, wie schon erwähnt, in drei Ge­beten vor: 1 in dem Gebet um Erleuch­tung; 2. in dem Achtzehngebet und 3. in dem Gebet um Erlösung, die eben­falls, wenn auch nicht in der Haupt­form, voneinander abweichen. Die Hauptform der Keduscha hat, außer dem sie einleitenden Vers, drei Teile: 1. die Heiligkeitsrufe, als die Anerken­nung der Gottesgestalt von ihrem Wal­ten in der Welt; 2. das Gottespreisen, als den Dank für diese Erkenntnis, und 3. die Verheißung des Wachstums und der Ausbreitung dieser Gottesanerken­nung, des Gottesreiches. Der Text der­selben besteht aus der Zusammenstel­lung der schon oben zitierten drei Schriftstellen aus Jesaja 6. 3, Ezechiel 3. 12 und Psalm 115. 10, der mit den Einleitungen zu denselben in deutscher Übersetzung lautet: 1. »Lasset uns dei­nen Namen in der Welt heiligen, wie man denselben in den Himmelshöhen heiligt«; nach dem Prophetenworte: »Der eine rief dem andern zu und sprach: >Heilig, heilig, heilig ist der Ewige, Zebaoth, voll wird die ganze Erde seiner Herrlichkeit!<« 2. Und die ihnen gegenüber stehen, rufen: »Gepriesen sei die Herrlichkeit des Ewigen von ihrer Stätte! « 3. In deinen heiligen Worten heißt es: »Ewig wird der Herr regieren, dein Gott, Zion, von Ge­schlecht zu Geschlecht, Halleluja!« Di­ese Gebetsformel ist die der Keduscha in dem Achtzehngebet des täglichen Gottesdienstes. Von dieser weicht die Formel der Keduscha in dem Gebet um Erleuchtung, המאיר לארץ, ab, wo der dritte Teil ganz fehlt, auch die Ein­leitungen zu 1 und 2 lauten anders. Ebenso ist die Keduscha in dem Gebet um Erlösung, ובא לציון, völlig anders. Der dritte Teil hat nicht den obigen Psalmvers, sondern den aus 2. M. 15. 18: »Der Ewige wird regieren, immer und ewig! « Die anderen zwei Teile ha­ben mehrere Einschiebsel aus der chal­däischen Paraphrase des Targum zu Jesaja 6. 3. und Ezechiel 3. 12 ad 1 lau­tet der Zusatz: »Es nehmen die einen das Wort von den anderen und rufen: >Heilig in den oberen Himmelshöhen, der Stätte seiner Schechina; heilig auf der Erde, wo seine Allmacht wirkt und heilig in aller Welten ewig.<« Der Ewige, Zebaoth, füllt die ganze Erde von dem Strahl seiner Herrlichkeit. Es ist eine Erklärung der drei Heiligkeits­rufe. Der zweite Teil bringt in hebrä­ischer und chaldäischer Sprache den Bibelvers aus Ezechiel 3. 12. Das Chal­däische desselben ist die Paraphrase des Targum zu derselben Stelle. Der Grund dieser dreimaligen Wiederho­lung des Keduschagebetes in den Mor­gengebeten ist: 1. in Bezug auf die Keduscha in dem Gebet um Erleuchtung als Protest gegen den Unglauben oder die Leugnung der Weltleitung durch Gott und 2. betreffend ihre Widerho­lung in dem Gebete um Erlösung, da­mit diejenigen, welche bei zu spätem Besuch des Gottesdienstes die Kedu­scha des Achtzehngebetes verabsäumt haben, noch dieses Gebet verrichten können. Andere glauben den Ursprung der Zitierung der Keduscha in diesem Gebet auf die Verfolgungszeiten in Ba­bylonien zurückzuführen, wo die Ver­richtung der Keduscha im Achtzehnge­bet bei Todesstrafe verboten war. Eine völlig veränderte Gestalt hat das Ke­duschagebet für Shabbath und Fest. Dasselbe hat in dem Achtzehngebet des Morgengottesdienstes als Einleitung ad 2 den Zusatz: »Alsdann lassen sie in dem Getöse eines großen, starken und mächtigen Sturmes ihre Stimme hören, sie erheben sich gegenüber den Se­raphim und rufen gegeneinander: » Ge­priesen sei die Herrlichkeit des Ewigen von ihrer Stätte! « Ein zweiter Zusatz bildet ebenfalls die Einleitung ad 3: »Von deiner Stätte, unser König, strahle und regiere über uns, denn wir hoffen deiner. Wann du in Zion re­gierst, bald in unseren Tagen weilst du dort immer und ewig usw.« Viel erwei­terter noch ist die Keduscha zu dem Mussafgebet. Schon die Einleitung ad I ist eine andre, sie lautet: »Lasset uns dich (Gott) verherrlichen und dich hei­ligen nach der geheimen Sprach der heiligen Seraphim, die deinen Namen im Heiligtum heiligen usw.« Sodann hat sie nicht drei Teile, sondern fünf Teile; es sind hier zwei neue Teile ein­geschoben, der eine mit dem Schema, als Bekenntnis des Glaubens an einen Gott: »Höre Israel, der Ewige, unser Gott ist Gott der Eine! «, der andere mit dem Zuruf: »Ich bin der Ewige, euer Gott!. Hierzu kommen am Shab­bath drei Zusätze und zum Fest vier Zusätze. Die drei Zusätze am Shabbath sind die Einleitungsstücke ad 2, 3 u. 4 der Mussafkeduscha, zu denen am Fest noch der Einleitungszusatz ad 5 hinzu­kommt. Das Einleitungsstück ad 2 lau­tet: »Seine Herrlichkeit erfüllt die Welt, dass seine Diener fragen: Wo ist denn ausschließlich die Stätte seiner Herr­lichkeit.« Das ad 3 heißt: »Von seiner Stätte wolle er sich in Barmherzigkeit (uns) zuwenden, dem Volke Gnade schenken, das täglich zweimal, Abend und Morgen, in Liebe das Schema spricht.« Das ad 4: »Einer ist unser Gott; er ist unser Vater, unser König, unser Helfer; er wird uns in seiner Barmherzigkeit zum zweiten Male vor den Augen aller Lebenden vernehmen lassen: Ich bin der Ewige, euer Gott!. Das ad 5 endlich am Feste: »Unser Mächtiger, Ewiger, unser Herr, wie herrlich ist dein Name auf der ganzen Erde. Der Ewige ist König über die ganze Erde, an demselben Tage wird der Ewige einzig sein und sein Name eins.. Ursache der eingeschobenen neuen Teile bringt man auch hier mit den Religionsverfolgungen gegen die Juden in Babylonien im dritten Jahr­hundert unter Jesdigert in Verbindung, welche ihnen bei Todesstrafe die Ver­richtung des Schemagebetes verboten. Man schob daher den ersten Vers des Schemagebetes in die Keduscha ein und sprach dasselbe an dieser Stelle. Auffallend ist die Keduscha bei Mai­monides, die mit geringer Variation dieselbe des Shabbathmorgens unseres Gebetsbuches ist, die von ihm für jeden Gottesdienst am Wochentage, Shab­bath und Fest bestimmt wird; er kennt also nur die eine Keduscha. Am Schlusse bringen wir noch die Bestim­mungen über die Vortragsweise. Nach denselben sollen vom Vorbeter allein sämtliche Einleitungsstücke zu den ein­zelnen Teilen der Keduscha gesprochen werden. Die Gemeinde betet nur die betreffenden Verse als die eigentliche Keduscha in ihren verschiedenen Tei­len.