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Lehrhaus – Yeshiva – Jeschiwa | Talmud

Lehrhaus – Yeshiva – Jeschiwa

Posted 4 mos ago

ישיבה, Nächst der Synagoge war das Lehrhaus eine der wichtigsten Ins­titutionen des Judentums, die für des­sen Erhaltung, Entwicklung und Aus­breitung gearbeitet haben. Mit der Synagoge zugleich erwuchs das Lehr­haus, beide hatten ihre Anfänge schon in der exilischen Zeit in Babylonien. Das Aufsuchen des Propheten am Shabbath und Fest, um von ihm Beleh­rungen zu erhalten, wie es uns im Bu­che Ezechiel geschildert wird, die Sehn­sucht nach dem Gottesworte hat die Lehrstätte begründet. Bei der Wieder­begründung des zweiten Staatslebens genügte die Wiedererbauung des Tem­pels mit der Weidereinführung dessen Opferkultus nicht mehr; die zwei Insti­tutionen: das Lehrhaus und die Syna­goge behaupteten ihren Platz neben ihnen. In Jerusalem war es sogar der Tempel, der für diese beiden Institutio­nen eine Stätte einräumen musste. Die Quaderhalle im Tempel, wo das Syne­drium seine Sitzungen abhielt, war die Stätte der Lehre und des Gebetes. Dass es damals in jedem größeren von Juden bewohnten Orte Palästinas Synagogen und Lehrhäuser gab, ist geschichtlich hinreichend bekannt. Solche Lehr­häuser führen den Namen: »Haus der Versammlung«, »Haus der Gesetzes­forschung«, auch: »das Haus der Rab­biner.« Unter der syrischen Herrschaft, im Anfange der Makkabäerzeit waren die Lehrhäuser die Lieblingsstätten des Volkes. R. Jose, ein Gesetzeslehrer die­ser Zeit, hat die Lehre: »Es sei dein Haus ein Versammlungshaus der Wei­sen und lasse dich bestäuben von dem Staub ihrer Füße und trinke mit Durst ihre Worte.« Es war eine Art jüdische Hochschule, doch nicht ausschließlich mit der Bestimmung für Gelehrte, da in derselben gewöhnlich am Shabbath und Fest, auch schon vor dem Feste Volksvorträge gehalten wurden. Über ihre Beschaffenheit und die Ordnung in denselben haben wir nur geringe Notizen. Aus der Studienzeit des später berühmt gewordenen Gesetzeslehrers Hillel wird erzählt, dass es zum Lehr­haus einen Pförtner gab, dem man für den Einlass zu den Vorträgen einen halben Tropaiken zu entrichten hatte. Die Geschichte seiner späteren Lehrtä­tigkeit, wo er gegen die Gesetzesbe­stimmungen Samais auftrat, berichtet uns, dass in den Lehrhäusern die Ge­setze in voller Freiheit besprochen wur­den, und jedem Gelehrten es erlaubt war, sein Dafür oder Dagegen frei aus­zusprechen und es nach seiner Mei­nung zu begründen. Bei solchen Ge­setzesbesprechungen gab es oft recht heftige Debatten, wie dies die Gesetzesstreitigkeiten zwischen Samai und Hillel dartun. Dagegen waren die Volksvorträge frei von jeder Diskus­sion, daher auch ruhiger und allgemein heilbringend. Aus der Tätigkeit R. Gamliels II. ist die Maßregel bekannt, dass er durch einen Wächter an der Türe nur dem den Eintritt in das Lehr­haus gestattete, dessen lautere Gesin­nung und dessen reiner Lebenswandel bekannt waren, eine Anordnung, die viel zur Verkleinerung des Hörerkrei­ses beitrug, eine starke Opposition her­vorrief und auch bald abgeschafft wurde. Andere Bestimmungen waren: im Lehrhause mit keinen Waffen zu er­scheinen, nicht in demselben zu schwät­zen, nicht zu schlafen u. a. m. Eine Ausnahme hievon machten die Lehr­häuser des vierten und fünften Jahr­hunderts n., wo die Lehrhäuser den armen Gelehrten zur Aufenthalts- und Wohnstätte dienten, so dass ihnen die Vornahme jeder Beschäftigung erlaubt war. »Warum heißen die Lehrhäuser >Haus der Rabbiner<, weil es ihr wirkli­ches Haus war.. Der Besuch des Lehr­hauses war gewöhnlich morgens und abends, und als besonderes Verdienst galt es, von den Ersten beim Eintritt in das Lehrhaus und von den Letzten beim Verlassen desselben zu sein. Die Mischna rechnet den Morgenbesuch des Lehrhauses zu den Tugendwerken, deren Früchte man im Diesseits genießt und deren Stamm für das Jenseits auf­bewahrt bleibt. Wichtig war ihnen, wenn man nach dem Gottesdienste in der Synagoge sofort in das Lehrhaus eilte. »Wer«, heißt es, »aus der Syna­goge in das Lehrhaus geht, empfängt gleichsam die Gottheit (Schechina).« So stand das Lehrhaus den ganzen Tag geöffnet und es war rühmlich, den gan­zen Tag im Lehrhause zuzubringen. Damit dies nicht zur Verarmung der Jünger führe, sollte man die Wochen der Aussaat und der Ernte das Lehr­haus nicht besuchen; es waren die Fe­rien, wo auch keine Lehrvorträge ge­halten wurden. Dagegen wird die Maßregel Achers, die jungen Leute den Lehrhäusern ganz zu entziehen, damit sie ein Gewerbe zu ihrem Unterhalt ler­nen, sehr getadelt. Nur zur Erlernung eines Gewerbes in Verbindung mit der Thora mahnten die Lehrer des ersten, zweiten und dritten Jahrhunderts n. So betrieben die meisten, auch die be­rühmtesten Lehrer ein Gewerbe neben dem Gesetzesstudium. »Jedes Studium der Thora ohne Gewerbe hört zuletzt auf und hat die Sünde zu ihrem Ge­folge.« »Wenn es kein Mehl (Lebens­unterhalt) gibt, gibt es keine Thora, und wo es keine Thora gibt, gibt es kein Mehl«, waren ihre Lehren darü­ber. Das Lehrhaus und die Synagoge waren die großartigen Institutionen, die den Juden gewissermaßen Ersatz für den zerstörten Tempel boten. »Und ich werde ihnen zum kleinen Heiligtum sein (Ezechiel 11) «, das sind, lehrte R. Jizchak (im 3. Jahrh. n.), die Synago­gen und die Lehrhäuser in Babylonien. »Lasset uns früh aufstehen zu den Weinbergen (Hohld. 7. 13), das bezieht sich auf die Synagogen und die Lehr­häuser«, war die Lehre eines anderen. »Meine Brüste sind wie die Türme (Hohld. 8. 10), das sind die Synagogen und die Lehrhäuser«, lautete der Spruch eines Dritten, »und auch, es bleibt ein Rest unserm Gotte (Sach. 9), darunter sind die Synagogen und die Lehrhäuser gemeint«, wird als Trostes-ruf eines Vierten gekannt. Die Aufgabe des Lehrhauses für die Erhaltung des Judentums, wird sinnig bezeichnet: »Und sie führen den Krieg am Tore« (Jesaja 28), das sind die Gelehrten, die über die Gesetze debattieren, morgens und abends in die Synagogen und in das Lehrhaus eilen. Diese Bedeutsam­keit des Lehrhauses für die fernere Existenz des Judentums mag es wohl gewesen sein, was den Lehrer R. Jocha­nan ben Sakai zu der Gnadenbitte vor dem damaligen römischen Imperator Vespasian kurz vor der Eroberung Je­rusalems bewogen hatte: »Gib mir Jabne und seine Weisen«, d. h. gewähre der Lehre ein Asyl, die Errichtung eines Lehrhauses.