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Name | Talmud

Name

Posted 4 mos ago

Namen. Personennamen, Beinamen, auch Spitznamen. Die Personennamen in der Bibel und in der nachbiblischen Literatur des Judentums liefern bei Be­achtung ihrer geschichtlichen Entwick­lung und Gestaltung einen nicht unbe­deutenden Beitrag zur Kenntnis des jüdischen Volkstums, seines Lebens und seiner Sitten und machen so einen beträchtlichen Abschnitt seiner Kultur­geschichte aus.

I. Bezeichnung, Begriff, Bedeutung und Würdigung. Der hebräische Aus­druck für »Name« ist schem, pl. Sche­moth. Derselbe bedeutet ursprünglich »Kennzeichen«; in Bezug auf Men­schen die Kennzeichnung des einen von dem anderen nach seiner äußeren oder inneren Eigenheit, als die ihm zukom­mende Benennung, die Bezeichnung, also den Namen nach seiner Individua­lität. In weiterem Sinne jedoch versteht man unter ihm auch: »Ruhm«, »Anse­hen«, »Würde«, »Erinnerung« und »Gedächtnis« als Angabe des sittlichen Wertes und der Bedeutsamkeit einer Person. So hat die Bibel die Aussprü­che: »Männer von Namen«, d.h. von Ruhm; »sich einen Namen (Ansehen) verschaffen«; »ich werde deinen Namen groß machen« (1. M. 12. 2.); »ewiger Name« (Erinnerung); sowie entgegen­gesetzt: »ohne Namen« (Ruhm); »den Namen (Gedächtnis) vertilgen«; »Der Name (d. h. das Gedächtnis) der Frev­ler verwest« u. a. m. Eine noch weitere Bezeichnung dieses Wortes ist die der Zugehörigkeit, der Kraft und Voll­macht einer Person, für die etwas ge­schieht, als z. B. in dem Ausspruch: »Er baute ein Haus im Namen des Herrn.. So bezeichnet dieser Ausdruck neben dem Namen der Geburt auch den des Verdienstes; nächst der leiblichen Be­nennung auch die sittliche und geistige: die Eigenheit, wie der eine Mensch von dem anderen sich auch durch seine er­rungenen sittlichen Vorzüge unter­scheidet und der Welt sich bekannt ge­macht hat. Es braucht kaum erinnert zu werden, dass von beiden letzteren der Vorzug zuerkannt und derselbe als der zu erringende aufgestellt wird. Es dürfte nicht übrig erscheinen, einige Lehren und Sprüche aus Bibel und Tal­mud darüber hier anzuführen. »Ein (guter) Name ist vorzüglicher als viel Reichtum«; »Ein guter Name ist besser als gutes Öl, und der Tag des Todes als der der Geburt«; »Wer einen guten Namen sich erwirbt, erwirbt ihn für sich selbst, und wer Gelehrsamkeit (Worte der Thora) sich aneignet, eignet sich geistiges Leben (das Leben in der zukünftigen Welt) an«; »Drei Kronen gibt es«, lehrte R. Simon (im dritten Jahrhundert n.), »die Krone der Lehre (Thora), die Krone des Priestertums und die Krone der Obrigkeit, aber die Krone eines guten Namens überragt sie alle«; ferner: »Drei Namen hat der Mensch: den einen von seinen Eltern, den anderen von den Leuten und den dritten nach dem Buche seiner Schöp­fung (seiner Naturbegabung), welcher von diesen ist der vorzüglichste?« Ko­heleth hat es in einem Spruch erklärt: »Besser ist ein guter Name als gutes Öl und der Tag des Todes vorzüglicher als der der Geburt«; »Vier Eigenheiten be­merken wir bei den Namen. Es gibt Leute mit schönen Namen und ebenso schönen Taten; mit schönen Namen, aber mit hässlichen Taten: mit häss­lichen Namen und hässlichen Taten und endlich mit hässlichen Namen, aber mit schönen Taten. « Bezeichnend dafür ist die dem Lehrer R. Jochanan (im dritten Jahrhundert n.) zugeschrie­bene Schlussrede nach Beendigung des Hiobbuches: »Der Mensch stirbt und das Vieh wird geschlachtet, alles ver­fällt dem Tode. Heil dem, der groß in der Thora geworden, sich in derselben abgemüht und seinem Schöpfer Freude bereitet; mit einem guten Namen groß geworden und im guten Namen gestor­ben«, von demselben heißt es: »Besser ist ein guter Name als gutes Öl.. Fer­ner gehört hierher der Lehrspruch eines anderen: »Und ich mache dir einen Namen gleich dem Namen der Großen« (1. Chr. 17, 8), das ist, wenn im Gebet wiederholt wird: »Gott Jakobs.« Den Gegensatz zu diesem durch gute Werke errungenen Ehrennamen bildet der böse Name, der verdient oder unver­dient dem Menschen beigelegt wird. Unverdient einem Menschen einen »bösen Namen« beizulegen, ist sündhaft, worauf die »Geißelstrafe« erfolgt. »Und du sollst als kein Verleumder un­ter deinem Volk einhergehen«; ferner: »Und nimm dich vor jeder bösen Sache in Acht«, werden als die Gesetzesmah­nungen darüber zitiert. Ein zweiter Ge­gensatz zum guten Namen ist der Spitz­name und der schmähliche Beiname, dessen Beilegung als ein arges Verge­hen betrachtet wird. »Drei«, heißt es, »sinken in die Hölle: wer seinem Nächsten einen schmählichen Zuna­men erteilt; wer ihn beschämt und wer Ehebruch treibt.« »Nie«, so rühmte sich ein Talmudlehrer, »rief ich einen Menschen bei seinem Spitznamen.. Verächtlich galt es, nach den Namen sündhafter Menschen sich zu nennen oder anderen dieselben beizulegen. Un­terschieden von diesen Spitznamen und schmählichen Zunamen wird der or­dentliche Beiname, der des Standes, des Geburtsortes, des Geburtslandes, auch des Gewerbes oder sonst eines ver­dienstvollen Werkes. Von solchen kom­men vor: Ahron der Priester; Nathan der Prophet; Barsillai der Gileadite; Esra der Schreiber; Salomo der König; Jochanan der Schuhmacher; Nachum der Meder; Nathan der Babylonier u. a. m. Beinamen, gleich den unsrigen Familiennamen, die von Geschlecht auf Geschlecht sich vererben, gab es sehr selten und waren nicht allgemein verbreitet. Dagegen wurden die Namen der Väter, auch der Stammväter, sowie der Geschlechts- und Volksabstam­mung mit dem Personennamen mit angegeben, als z. B. Moses ben Amram, Micha der Danite, Jakob der Reube­nite usw. Auch äußere Zeichen und Merkmale, die einer Familie anhafte­ten, wurden oft, wo die Beilegung des Namens des Vaters und Großvaters nicht ausreichte, als z. B. an einem Orte, wo es mehrere gleichnamige Vä­ter und Großväter gab, auf schrift­lichen Dokumenten mit aufgenommen. Diese äußeren Familienmerkmale ka­men unter dem Namen Simni Misch-pacha vor. Erst in der neuesten Zeit bedienen sich auch die Juden der Fami­lienbeinamen allgemeiner.

II. Namengebung, Wahl, Bildung, Alter, Gesetze, Normen, Bräuche und weitere Geschichte. Bestimmte Gesetze bei der Wahl oder Bildung und Ertei­lung der Namen gab es im biblischen Altertum nicht; dieselbe wurde dem freien Willen der Betreffenden überlas­sen. Später entwickelten sich gewisse Volkssitten und Bräuche, die man da­bei berücksichtigte. Im Allgemeinen wurden die Namen erteilt vom Vater, der Mutter, oft von beiden zugleich, sodass das Kind zwei Namen erhielt; ferner von den Verwandten und den Nachbarn. Die Zeit derselben war ge­wöhnlich nach der Geburt, aber oft auch schon bei und vor derselben. In der nachbiblischen Zeit war es üblich, die Namens-erteilung bei den Kindern männlichen Geschlechts am Tage der Beschneidung geschehen zu lassen, wo sie einen Teil der Beschneidungsakte bildete; dagegen war dieselbe bei weiblichen Kindern an dem Shabbath oder Fest, an welchem die Mutter zum ers­ten Mal, gewöhnlich am vierten Shab­bath nach der Niederkunft, die Syna­goge besuchte. Der Vater wird zur Thora gerufen, wo nach Beendigung des ihm vorgelesenen Bibelabschnittes der Vorbeter das übliche Gebet für die Mutter verrichtet und den Namen er­teilt. Dieses Gebet zur Namengebung eines Mädchens, wie es in dem Synago­gengebetbuch seine Aufnahme gefun­den, lautet: »Herr! Der du gesegnet hast Sara, Ribka, Rahel und Lea, die Prophetin Mirjam, Abigail und Esther, segne dieses Mägdlein, das den Namen N. zum Glück und Segen führen soll. Gott lasse es heranwachsen in Gesund­heit, Frieden und Ruhe. Beglücke, Gott, dessen Vater und Mutter, auf dass sie die Freude dieser ihrer Tochter schauen, ihre Hochzeit und ihre Nach­kommen, ihre Ehre und ihren Reichtum erleben, dass sie noch im Greisen­alter frisch und gesund dastehe. So möge es der Wille Gottes sein. Amen! « Dagegen gibt es für das Gebet bei der Namens-erteilung an Knaben bei dem Akte der Beschneidung zwei Formu­lare. Das eine ist in chaldäischer Spra­che und lautet: »Von dem Herrn des Himmels komme Heilung des Lebens und der Barmherzigkeit diesem Kna­ben, dessen Name N. sein soll; er ge­nese, wie durch Mose die bitteren Was­ser in der Wüste gesund wurden, und die Wasser von Jericho durch Elisa. So werde er geheilt bald in unseren Tagen. Amen!. Diese Gebetsformel wird als eine alte bezeichnet, die sich im Jeru­schalmi zu Sabbath Absch. 19 vorge­funden haben soll. Hierzu kam der Segensspruch: »Gott lasse dich heran­wachsen gleich Ephraim und Men­asse.« Die zweite Gebetsformel ist in hebräischer Sprache; sie ist die in den europäischen Synagogen übliche, stammt aus dem achten Jahrhundert n. und lautet in deutscher Übersetzung: »Unser Gott und Gott unserer Väter! Erhalte dieses Kind seinem Vater und seiner Mutter, dessen Name in Israel sein soll N. N. Es möge der Vater an seinem Kinde Freude haben; die Mut­ter frohlocke über ihre Leibesfrucht«, wie es heißt: »Es freue sich dein Vater und deine Mutter; es frohlocke, die dich geboren.« (Spr. Sal. 23. 25) Spä­tere Rabbiner haben die erste Gebets­formel für die Namenserteilung an Waisen bestimmt. Indessen hatte man auch für Waisen eine andere Formel in hebräischer Sprache; sie lautet über­setzt: »Ewiger, unser Gott! Erhalte die­ses Kind seiner Mutter, seiner Familie und seinen Verwandten, dessen Name N. N in Israel genannt werde. Du, Ewi­ger, unser Gott, Gott alles Fleisches, sei ihm ein Vater und er wird dir ein Sohn sein usw.« Die Bildung oder die Wahl des Namens hatte die Gemütsbestim­mung der Eltern bei der Geburt des Kindes zur Grundlage; er drückte den Wunsch, die Erwartung und die Hoff­nung derselben aus; auch geschah sie nach der leiblichen oder geistigen Beschaffenheit des Kindes, der Liebe der Eltern zu demselben; ferner nach des­sen Geburtsumständen, nach seiner künftigen Berufsbestimmung, den be­deutenden Zeitereignissen bei seiner Geburt, des dankbaren Aufblicks zu Gott u. a. m. So bezeichnete der Name des ersten Weibes Chava (Lebende) seine Bestimmung »Mutter aller Le­benden«; der Name Abraham (Vater vieler Völker) seinen Beruf »Volksleh­rer«: des Sohnes Josephs »Menasche« (vergessen lassen), der dankbare Aufblick zu Gott, der ihn sein Elend ver­gessen ließ; des Sohnes Moses »Ger­schom« (Fremder dort), ebenso: »denn ein Fremder war ich, sprach Moses, im fremden Lande«; »Ephraim«, Josephs Sohn, »denn Gott hat mich in dem Lande meines Elends ausgebreitet«; »Peleg« (Teilung) die Teilung der Erde, durch den Durchbruch des Ozeans; Noach, Erleichterer, den Trost und die Hoffnung; »Dieser wird uns trösten von unserer Arbeit, der Mühseligkeit unserer Hände«; »Jehuda« (Gott dank), den Gefühlsdrang: »Nun danke ich dem Ewigen« u. a. m. Zur deutli­cheren Angabe, damit eine Verwechs­lung gleichnamiger Personen vermie­den werde, hat man mit dem Namen des Sohnes den des Vaters mittels des Wörtchens »Ben« (Sohn) verbunden, als z. B. Kaleb Sohn Jephunes; Josua Sohn Nun; Gadi Sohn Sufi; Amiel Sohn Gemali usw. Auch die Beilegung der Namen von den Stammvätern, ebenso der von den Geschlechts- und Volksabstammungen war üblich, als z. B. der Reubenite, Levite, Korachite, Benjami­nite, Judder, Israelite, Ammonite, Moa­bite u. a. m. In der nachbiblischen Zeit traf man die Anordnungen, dass man an Ortschaften, wo zwei Personen glei­chen Namens auch gleichnamige Väter hatten, in Urkunden auch die Namen der Großväter mit aufnehmen soll. In den Fällen, wo sich auch dies nicht ausreichend erwies, erweiterte man diese Anordnung dahin, dass auch die äußeren Familienmerkmale angegeben werden. Auch der Geschlechtsab­kunftsname, als z. B. »Kohen« (Aaro­nide), »Levit« (Levi) soll bei noch im­mer zu befürchtenden Kollisionsfällen obigen Namen hinzugefügt werden. Eine zweite Eigenheit der nachbibli­schen Zeit war, dass man Kindern die Namen der Großeltern und anderer Familienglieder, auch der Wohltäter, besonders nach den verstorbenen El­tern u. a. m. erteilte. In dieser Pietät ge­gen die Verstorbenen ging man so weit, dass Kinder oft zwei Namen von toten Angehörigen führten und man oft Kna­ben nach den Namen von weiblichen Personen, und Mädchen nach den Na­men von männlichen verstorbenen Verwandten in gewisser Umbildung nannte. Es war dies die Zeit der Armut der hebräischen Sprache, wo sie keine neuen Sprösslinge zu treiben vermochte und sich mit dem Alten und Herge­brachten begnügen musste. Die Lehrer des zweiten Jahrhunderts n.: R. Jose und R. Simon b. Gamliel sprechen sich darüber mit folgenden Worten aus. Ersterer sagt: »Die Männer der Vorzeit kannten ihre Abstammungen, sie bil­deten die Namen nach den Ereignissen; aber wir, denen dies abgeht, haben nur die Namen der Väter.« Der andere, der Patriarch R. Simon Sohn Gamliels II, lehrte: »Unsere Vorderen bedienten sich des heiligen Geistes, daher waren ihre Namen danach dem Namen der Zeitereignisse; aber bei uns heute, die desselben nicht gewürdigt werden, ge­stalten sich die Namen nach denen un­serer Ahnen.« Eine dritte Eigenheit der nachbiblischen Zeit war, dass man die Namen von den fremden Völkern, in deren Umgebung man wohnte, oder mit denen man in Berührung kam, an­nahm. So fanden sich bei den Juden neben den hebräischen Namen auch aramäische, persische, griechische, la­teinische, arabische u. a. m. In der nachtalmudischen Zeit kommen hierzu noch die spanischen, italienischen, französischen, deutschen und slawi­schen (polnischen und russischen) Na­men, der Länder und Völker Europas, in deren Mitte die Juden ihre Heimat gefunden.

A. Die aramäischen Namen waren vorherrschend in der Periode von 550 — 330. Es ist die nachexilische Zeit, wo unter der Oberhoheit der persischen Herrschaft das jüdische Volkstum nach seinem Wiedereinzug in Palästina sich allmählich wieder auf seinem alten hei­matlichen Boden konstituierte, sein Staatsleben und sein Heiligtum wieder herzustellen suchte. Die aramäische Sprache war bei den Juden in Babylo­nien und in Palästina vorherrschend und das Hebräische war zum großen Teil aus dem Volksleben geschwunden oder vermochte sich nur noch unter dem Einfluss der fremden Dialekte der angrenzenden Nachbarvölker, die es verunstalteten, zu erhalten. Aramäische Namen kamen in Gebrauch und ver­drängten immer mehr die hebräischen. Hebräische Namen existierten zwar noch weiter, aber nur in aramäischer Umbildung. So hat uns das jüdische Schrifttum aus dieser Zeit aufbewahrt: 1. aramäische Namen; 2. hebräisch-ara­mäische und 3. hebräische.

1. Aramäische Namen. Wir verste­hen unter »aramäisch« auch den baby­lonisch-chaldäischen Dialekt, wie er in Babylonien gesprochen wurde. Von denselben kommen vor: Abad Nego, Beltschazar, Charif, Chatita, Meschesa­bel, Schamscheraja, Schabek, Schema­zar, Scherebja, Scheschbazar, Schina u. a. m.

2. Aramäisierte hebräische Namen. Wir geben von denselben an: Abda, Charhaju, Chasadja, Elchnemi, Hoda­vja, Molatja, Nechemja, Pedaja, Pelaja, Petachja, Refaja, Serubabel, Jaddua, Jeschua, Maluha, Chaggai, Schamai, Sakai u. a. m.

3. Rein hebräische Namen. Von denselben haben wir aus dieser Zeit nur wenige anzugeben. Die meisten haben eine neue Form, die in der Vorsetzung des »ha« besteht, als z. B. Hakoheleth, Hakoz, Hasepheretz, Halochesch u. a. ni.; ferner: Jakim, Jescheba, Maon u. a. m.

B. Die griechischen Namen. Diesel­ben kamen in der darauf folgenden Pe­riode von 330 — 60 v. in Aufnahme und erfreuten sich der weitesten Verbrei­tung. Durch das siegreiche Vordringen Alexanders des Großen kam Palästina unter griechische, ägyptisch-griechi­sche und syrisch-griechische Herr­schaft. Das Interesse für griechisches Wesen und griechische Sprache lag zu nahe, dessen Erlernung auch für die jü­dischen Bewohner Palästinas immer dringender wurde. So bürgerten sich griechische Namen unter die Juden ein. Die Sage berichtet uns, dass ein Hohe­priester aus Dankbarkeit gegen Ale­xander den Großen, der den Tempel zu Jerusalem mit seiner Gegenwart beehrt haben soll, sämtliche während dessel­ben Jahres geborenen Söhne der fun­gierenden Priester »Alexander« zu nennen befahl. Mag dem sein, wie es wolle, wir haben in dem jüdischen Schrifttum über und aus dieser Zeit eine beträchtliche Anzahl von griechi­schen Namen, deren sich sogar die frömmsten Gesetzeslehrer zu bedienen nicht gescheut hatten. Neben den grie­chischen Namen waren auch aramäi­sche und hebräische im Umgange. Wir nennen erst:

a. die griechischen Namen. Es ver­steht sich, dass die Großen und Vor­nehmen unter den Juden die Ersten waren, die sich griechische Namen bei­legten. Etwa hundert Jahre nach Ale- xander dem Großen war es das Haus der Hohenpriester, das die Seinigen griechische Namen, als z. B. Hyrkan, der Sohn Josephs, Menelaos, oder gra­ezifizierte hebräische Namen, als z. B. Onias, Jason (Josia), Alkimos (von Ja-kim) u. a. m., führen ließ. Etwas später in derselben Zeit treffen wir berühmte Volks- und Gesetzeslehrer mit grie­chischen Namen, als z. B. Antigonos aus Socho u. a. m., ein Beweis, dass man be­reits nichts Fremdes und Irreligiöses in der Beilegung derselben fand; sie mögen schon viel verbreitet auch unter den Ju­den Palästinas gewesen sein. Aber ihre weiteste Verbreitung fanden sie erst durch die jüdischen Hellenisten Palästi­nas in derselben Zeit, welche griechische Sitten und Weisen unter die Juden hei­misch machen und so das jüdische Volk zu Griechen heranbilden wollten. Eine Reaktion gegen dieses Vorgehen trat ein durch die makkabäische Erhebung und ihre siegreiche Vernichtung der grie­chisch-syrischen Herrschaft in Palästina. Die Partei der jüdischen Hellenisten war gesprengt, zerstreut und machtlos ge­worden. Aber nicht auf lange Zeit. Wie es gewöhnlich bei den anderen Macht­habern geschah, dass sie nach der Besie­gung fremder Völker die Sitten derselben annahmen (s. Rom), so treffen wir auch bei den Makkabäern in ihrem dritten Geschlecht schon griechische Namen und griechische Sitten, ein Beweis, dass sie sich dem jüdischen Hellenismus genä­hert hatten, was allerdings den Zorn der Altnationalen (der Pharisäer und Chassidäer) gegen sie erregte und eine immer größere Feindschaft und Spaltung zwi­schen ihnen und den Makkabäern he­raufbeschworen hatte . Die griechischen Namen im Hause der Makkabäer (Has­monäer) sind: Hyrkan, Aristobul, Alex­ander, Alexandra, Antigonos u. a. m. Andere Namen aus dieser Zeit kommen in dem jüdisch-griechischen Schrifttum vor: Andronicus, Antiochus, Antipater, Apollonius, Amyntas, Bacchius, Boetus, Chaerea, Diodorus, Dorotheus, Dosit­heus, Eupolemos, Kleodemus, Lysima­chus, Numenius, Pitholaos, Polleo, Pto­lemeos, Silas, Sopater, Sosipater, Theodorus, Theodotus u. a. m.

b. Die aramäischen Namen. Diesel­ben werden in dieser Zeit immer weni­ger, doch haben sie einen Zuwachs von den aus babylonischen Ländern nach Pa­lästina eingewanderten Juden. Wir nen­nen von denselben: Baba, Buta, Cha-buba, Chaschmonai, Gadai, Menai, Nithai, Sito u. a. m.

c. Die rein hebräischen. Dieselben haben sich größtenteils bei den Volks-und Gesetzeslehrern erhalten und sind: Admon, Chonja, Gedidim, Jose, Joeser, Jehuda, Jehoschua, Jochanan, Nechunja, Perachja, Phasael, Schetach. Die darauf folgende Periode von 6o v bis r 2o n. bringt neben den griechischen, aramäi­schen und hebräischen Namen auch:

C. Die lateinischen Namen. Es war die Zeit, wo zur Schlichtung des unter dem königlichen hasmonäischen Bruder­paar Hyrkan II und Aristobul ausgebro­chenen Streites die Römer unter Pom­ peius ins Land gerufen wurden, was die Grundlage zu deren Herrschaft in Paläs­tina selbst gelegt hatte. Herodes I und seine königlichen Nachfolger regierten unter der Oberhoheit Roms, und römi­sche Sitte und Sprache breiteten sich im­mer mehr unter den Juden Palästinas aus. Von den lateinischen Personenna­men unter den Juden aus dieser Zeit ha­ben sich erhalten: Aelius (Bechoroth 4, 5), Agrippa, Agrippinus, Aliturus, An­toninus, Apella, Aquila, Capellus, Capi-tolus, Caesar, Castor, Crispus, Dolesus, Drusus, Fabius, Furnius, Fadus (Jerus Maaser Scheni II), Julianus, Julus, Jus­tinus, Justus, Lucanus, Marcus, Mari­nus, Niger, Nero, Romanus, Rufus, Si­senna, Tiberias, Tiberianus, Titus, Verus, Veluria, u. a. m. Zu den letztge­nannten Namen haben wir noch einige weibliche Namen anzugeben, als z. B. Akme, Berenice, Coelia, Doris, Dru-silla, Priscilla u. a. m. Neben diesen waren noch, besonders bei den Juden unter den Griechen in Ägypten, Syrien und auf den verschiedenen Inseln des Mittelmeeres, die griechischen Namen im Gebrauch. Von denselben nennen wir: Alexander, Alexas, Amyntas, An­dreas, Andromachus, Andronicus, An­tigonos, Antipatros, Antyllus, Apollo, Archelaus, Asisteas, Aristeus, Aristeus, Ariston, Artemion, Asteion, Autokles, Buleutes, Banias, Chares, Chryisppi­des, Demetrius, Diogenes, Doris, Dru-silla, Dosa, Eukolos Eumachus, Euri­demus, Eudemias, Gerontos, Helenus, Hygros, Kyrios, Leontes, Merton, Nanos, Nikanor, Nikodemon, Nikoma­chus, Nomos, Orion, Polemo, Papias, Pappus, Paregoros, Patricus, Patroklus, Pausanisas, Petrus, Philippus, Philo, Pistus, Pyxis, Ptolemaus, Silanus, Sni-lion, Stephanus, Symmachos, Theophi­los, Theodosius, Theudas, Tryphon, Zeno u. a. m. Aramäische Namen in dieser Zeit waren: Abba, Acha, Ada, Huna, Pappa, Ketina, Seira, Sera, Martha, Tabitha u. a. m. Die hebräi­schen Namen sind meistens biblische mit einigen bald aramäischen, bald griechischen Umbildungen. Eine starke Opposition gegen diesen so sehr um sich gegriffenen Gebrauch von frem­den, nichtbiblischen Namen machte sich erst in der Zeit nach dieser Epoche bis zum Schluss des Talmud gegen 5 o n. bemerkbar. Die Niederlage des bar­kochbaischen Aufstandes und die auf dieselbe gefolgte schwere Leidenszeit der hadrianischen Verfolgungsedikte haben niederdrückend auf die Gemüter gewirkt. Die Einkehr nach innen trat ein, da von außen nur Hass und Ver­achtung zu ernten war. Die schweren Bedrückungsgesetze, die zu ihrem Ziele hatten, alles Jüdische unter den Heiden zu vernichten, riefen die Gegenströ­mung innerhalb des Judentums hervor, alles, was von den Heiden herrührte, aus seiner Mitte zu bannen. So sind uns mehrere Aussprüche von den Leh­rern des zweiten Jahrhunderts n. erhal­ten, die auf die Verdrängung der heid­nischen Namen abzielen. R. Eleasar Hakapor rühmt die Vorfahren, die Israeliten in Ägypten, dass sie ihre heb­räischen Namen während ihres Auf­enthalts unter den Ägyptern nicht geändert hatten und zählt diese Tatsa­che unter den Tugenden auf, die deren Erlösung bewirkten. »Reuben, Schi-mon und Levi usw. heißen sie bei ihrer Niederlassung in Ägypten, und diesel­ben Namen führen sie noch bei ihrem Auszuge.« Dieselbe Lehre wird auch noch von einem Lehrer am Ende dieses Jahrhunderts, von Simon bar Kappara und nach ihm im vierten Jahrhundert n. von Rab Huna wiederholt mit dem Zusatz: »Sie nannten nicht den Jehuda >Rufus<; den Reuben >Julianus<; den Jo­seph >Lestes< , den Benjamin >Alexan­der< usw. « Von einem anderen Lehrern, R. Elasar ben Padath, rührt der Aus­spruch her: »So gehet und schauet das Gotteswerk, das Verwüstung gemacht hat im Lande«, »Verwüstung« das sind die Namen. Endlich wird ausdrücklich gegen den Gebrauch von Namen frev­lerischer Personen geeifert. »Der Frev­ler Name vermodert«, d. h. Moder überzieht die Namen der Frevler, »man gebrauche nicht dieselben«, lautete die Mahnung des R. Elasar. R. Samuel bar Nachman (im 4. Jahrh. n.) äußerte sich darüber: »Die Namen der Frevler glei­chen nicht dem Linnengewebe, das seine Dauerhaftigkeit bewährt, wenn es getragen wird. Hast du je gehört, dass ein Vater seinem Sohne die Na­men Pharao, Sisera, Sanherib usw. gab? Man erteilt ihm die Namen: Abraham, Isaak, Jakob usw.« Einen Tadel gegen heidnische Namen überhaupt gibt das Zitat aus dem Midrasch im Targum zu Amos 6. 1. Die Voreingenommenheit vor fremden Namen wurde so stark, dass man von einem Einfluss des Na­mens auf den sich bildenden Charakter des Menschen redete. »Immerhin«, heißt es, »sei man bedacht, vorsichtig bei der Erteilung des Namens an seinen Sohn zu sein, denn der Name hat auf ihn Einfluss.« Weiter ging darin R. Mair (im 2.. Jahrh. n.), der von dem Namen geradezu auf den Charakter des Menschen deutete. Doch waren nicht alle Lehrer dieser Ansicht. Von R. Juda wird erzählt, dass er diese Theo­rie seines Kollegen R. Mair verwarf und nichts von solchem Vorurteil wis­sen wollte. R. Jose, ein anderer Lehrer dieser Zeit, stellt die schon oben in Teil I dieses Artikels zitierte Lehre auf von den vier Menschengattungen in Bezug auf ihre Namen, eine Mahnung, dass nur die Werke, aber nicht der Name den guten oder schlechten Menschen bilden. Einen Beweis, dass trotz aller obigen Mahnungen die fremden Na­men aus der Mitte der Juden nicht schwanden, finden wir in dem talmudi­schen Satz: »Die Namen der Juden au­ßerhalb Palästinas sind die Namen der Heiden«, Nur die Namen heidnischer Götter wurden von den Juden beson­ders in Babylonien, als z. B. Ormuzd u. a. m. gemieden und nicht bei ihnen angetroffen. Aber alle anderen Namen von heidnischen Personen waren, wie früher, in der talmudischen Zeit üblich.

R. Jose gab seinen Söhnen fremde Na­men, und die Proselyten konnten ihre heidnischen Namen beibehalten. Pro­selyten mit heidnischen Namen kom­men vor: Aquila, Monobaz, Veluria, Helena u. a. m. Diese fremden Namen kamen oft in Verbindung mit den heb­räischen vor; so schon bei den Juden unter der Perserherrschaft, als z. B. Beltschazar, Daniel, Ester Hadassa u. a. m. Aus der späteren Zeit zitieren wir: Salome Alexandra, Jochanan Hyr­kanos, Janai Alexander, Juda Aristobul u. a. m.; ferner: Thaddai Juda, Matthia Levi, Joseph Jose u. a. m. Wie die Juden sich noch in der nachtalmudischen Zeit, das ganze Mittelalter hindurch bis in die neueste Zeit fremder Namen, der ih­res jedesmaligen Landes und ihrer ver­schiedenen Umgebung, bedienten, ist in neuester Zeit gründlich nachgewiesen worden. Das jüdische Schrifttum bringt neben obigen hebräischen, aramäi­schen, griechischen, lateinischen auch arabische, deutsche, slawische, spani­sche, französische, italienische und englische Namen. Erst in neuester Zeit, 1787, verbot die österreichische Regie­rung den Juden in Böhmen den Ge­brauch von christlich geltenden Na­men, wovon sie im Jahre 1836 befreit wurden. Gegen die Juden in Preußen wurde noch im Jahre 1837 eine ähnli­che Beschränkung in der Wahl ihrer Vornamen versucht. Aber man drang nicht mehr durch. Die Zeit war eine andere geworden, und die offenen Pro­teste dagegen von Seiten der Juden vereitelten die weitere Ausführung. Der gelehrte Zunz in Berlin hat in dieser Zeit seine Schrift »Die Namen der Ju­den« abgefasst. Resümieren und über­blicken wir das bisher Gesagte, so er­gibt sich uns folgende Betrachtung. Die Namen im Judentum, die dieselben sich in jeder Zeit nach den Völkern und Ländern, in denen die Juden ihre Heimat gefunden, verschieden gestalte­ten und eine reiche Geschichte haben, sind die merkwürdigen Denksteine des geschichtlichen Ganges Israels durch die Völker, die monumentalen Zeugen seines Berufes und seiner Aufgabe in der Mitte derselben. »Nicht einem Volke, einem Lande und einer Spra­che«, rufen sie, »stammen wir ab, son­dern fast allen Völkern und allen Nati­onen der zivilisierten Welt der alten und neuen Zeit gehören wir an, gleich der Lehre Israels, die keine Absperrung und Abschließung, keinen Partikularis­mus kennt, sondern allen Menschen angehören will, alle Völker zum wah­ren Gottesglauben erheben möchte! «