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Schmone-Esre | Talmud

Schmone-Esre

Posted 4 mos ago

Schemone-Esre, Achtzehngebet; Ge­bet der achtzehn Benedeiungen, auch nur: Gebet, Tephilla. Bekanntes, syna­gogales, zweites Hauptgebet des tägli­chen Gottesdienstes am Morgen, Nachmittag und Abend. I. Inhalt, Teile, Reihenfolge, Erklä­rung und Bedeutung. In Bezug auf den Inhalt unterscheiden wir in dem Acht­zehngebet drei Hauptteile: a. die drei ersten Stücke, die der göttlichen Lobes­erhebung; b. die dreizehn mittleren als das eigentliche Bittgebet, und die drei letzten, die den Dank und das Ver­trauen gegen Gott aussprechen. Es sind somit Lob-, Bitt- und Dankgebete, die das Achtzehngebet enthält. Von diesen bleiben die drei ersten und die drei letz­ten die feststehenden für alle Tage des Jahres, dagegen sind die mittleren am Shabbath, Neumond und Fest verschie­den von denen an den Wochentagen. Der ganzen Anordnung und Aufeinan­derfolge unterliegt der Gedanke des Ausspruches: »Immer trage der Mensch erst die göttliche Lobeserhebung vor und nachher das Gebet«; ferner: »In den ersten drei Benedeiungen gleiche der Betende einem Diener, der seinen Herrn lobt; in den mittleren einem Die­ner, der seinen Herrn um seinen Lohn bittet und in den drei letzten einem Diener, der den Lohn erhalten und sich von seinem Herrn verabschiedet.« In den drei ersten Benedeiungen wird von der Offenbarung Gottes in der Vergan­genheit, Gegenwart und Zukunft ge­sprochen. Die Offenbarung Gottes in der Vergangenheit ist die an die Väter, die der Gegenwart ist des göttlichen Waltens in der Vorsehung und Für­sorge Gottes und die der Zukunft ist die der göttlichen Heiligung, der allge­meinen heiligenden Anerkennung Got­tes. So nannte man die erste Benedik­tion: Aboth, die der Väter, die Erinnerung an die Wohltaten Gottes an die Stammväter; die zweite, Geburoth, die Allmacht Gottes, die sich uns in der göttlichen Vorsehung offenbart; die dritte, Keduschoth, die Gottesheili­gung, die allgemeine Anerkennung und Verherrlichung Gottes. In den drei letzten Benedeiungen ist erst die Bitte um das Wohlgefallen Gottes an unserem Gottesdienst und die Wiederkehr sei­ner gnadenvollen Herrlichkeit, dann der Dank für erwiesene Wohltaten und endlich der Segen für das Volk. Auch diese drei erhalten nach diesem ihren Inhalt bestimmte Namen. Es heißt die erste Benediktion: Aboda, der Gottes­dienst; die Bitte um Vervollständigung desselben und Gottes Wohlgefallen an diesem unserem gegenwärtigen Gottes­dienst; die zweite: Hodaa, der Dank und die dritte: Birchath Kohanim, der Priestersegen. Die zwischen den ersten drei und den letzten drei Benedeiungen sind die mittleren, welche das eigentli­che Bittgebet enthalten. Dieselben sind, wie schon oben angegeben, an Shab­bath, Neumond und Fest verschieden von denen der Wochentage. Wir geben erst den Inhalt der letzteren an, wie dieselben in dem synagogalen Gebet­buch ihre redaktionelle Zusammenstel­lung erhalten hat. Dieselben bestehen aus dreizehn Benedeiungen, von denen jede eine Bitte vorträgt. So die erste: »Du begnadigst«, um Erkenntnis; die zweite: »Bring uns wieder«, um unsere Rückkehr zu Gott, zur Gotteslehre und zum Gottesdienst; die dritte: »Verzeihe uns«, um Vergebung der Sünden; die vierte: »Siehe unsere Not«, um Erlö­sung aus zeitlicher Not und Drangsal; die fünfte: »Heile uns«, um Heilung von Krankheiten und Leiden; die sechste: »Segne uns«, um ein fruchtba­res, segensvolles Jahr; die siebente: »Stoße in die große Posaune«, um die Befreiung und Sammlung der Zerstreu­ten; die achte: »Setzt wieder ein«, um die Wiedereinsetzung gerechter Rich­ter; die neunte: »Und den Verleum­dern«, um das Schwinden der Sünder; die zehnte: »Über die Gerechten«, um das Wohlergehen der Tugendhaften; die elfte: »Nach Jerusalem«, um die Erbauung Jerusalems; die zwölfte: »Den Sprossen Davids«, um die Wie­dereinsetzung des Davididen und die dreizehnte: »Erhöre unsere Stimme«, um die Erhörung unserer Gebete. Die spätere Agada hat sich bemüht, die Be­deutung dieser einzelnen Gebetsstücke, sowie den Grund ihrer Reihenfolge in der hier angegebenen Ordnung zu er­mitteln, die jedoch von keinem weite­ren Belang ist. Wichtiger als dies sind die talmudischen Angaben über das Alter der Abfassung und Einführung des Achtzehngebetes im Ganzen und der verschiedenen Stücke desselben einzeln. Die Schrift Sifre zu 5. M. 33. 2 nennt »die ersten Weisen« oder »die Weisen der Vorzeit«, als die, welche das Achtzehngebet eingeführt haben. Die Lehrer des dritten Jahrhunderts n., R. Jochanan, R. Chija ben Abba be­richten, dass schon die große Synode das Achtzehngebet in seiner Reihen­folge geordnet und eingeführt hat. Nach diesem Bericht waren die Män­ner der großen Synode nicht die Ver­fasser des Achtzehngebetes, sondern nur dessen Ordner und Einführer; es hätte also schon früher existiert, aber nicht in der ihr gegebenen Reihenfolge. Das Achtzehngebet hätte somit ein hö­heres Alter als die große Synode; es müsste schon vor dem Auszug Esras nach Palästina bei den Juden in Baby­lonien existiert haben. Möglich, dass bei ihnen ähnliche Gebete für die Be­freiung aus dem Exil, die Wiederher­stellung des jüdischen Staates in Paläs­tina u. a. m. im Umgang waren, die von den Männern der großen Synode zu­sammengestellt, geordnet und als Pflichtgebet eingeführt wurden. Doch steht dieser Angabe eine andere im Tal­mud entgegen, dass Simon Pekuli vor R. Gamliel II., also erst gegen Ende des ersten Jahrhunderts n., das Achtzehn­gebet geordnet habe. Der Talmud gibt den Ausgleich zwischen diesen beiden Berichten dahin, dass sie vergessen wurden, aber durch Simon Pekuli im Auftrag des Patriarchen ihre erneuerte Zusammenstellung und Ordnung er­halten haben. Wir können uns diese Notiz wohl erklären, Gebete um die Wiederherstellung des jüdischen Staa­tes, die Wiedereinsetzung eines Davidi-den zum König u. a. m. können wohl während des Bestandes des jüdischen Staates von Einzelnen verrichtet wor­den sein, aber ein allgemeines Interesse hatten dieselben nicht; man begnügte sich in den meisten Fällen mit dem Sta­tus quo und so wurden dieselben ver­nachlässigt und allmählich in ihrer Reihenfolge vergessen. Anders verhielt es sich nach der Zerstörung des jüdi­schen Staates. Die Wünsche für die Wiederherstellung desselben, für die Wiedererbauung Jerusalems u. a. m. wurden immer lebendiger und allge­meiner, die bekanntlich zu den Auf­ständen unter Trajan und Hadrian führten. So belebte sich das Interešse wieder für die vom Volk halb vergesse­nen Gebete, und ihre Wiederherstel­lung und Einführung war nun unab­weisbar, die R. Gamliel mit Hilfe des genannten Pekuli ausgeführt hat. Die Stelle mit obigem Bericht von Simon Pekuli spricht daher nur von einer zweiten erneuerten Redaktion und Ein­führung des Achtzehngebetes. Hiermit stimmt auch die Angabe in der Mischna Berachoth. R. Gamliel II. ordnete an, dass man täglich das Achtzehngebet verrichte. Dass trotzdem das Achtzehn­gebet auch in den Zeiten des jüdischen Staatslebens, wenn auch nicht allge­mein und nicht in der späteren Fassung gebetet wurde, ersehen wir aus den Be­richten in der Mischna, die mehrere Stücke aus demselben als Bestandteil des Morgengottesdienstes im Tempel nennen. Auch das Buch Sirach hat Ge­bete, die denen unseres Achtzehngebe­tes gleichen. Wir nennen das in Kap. 36. 17. »Erbarme dich, Herr, deines Volkes, das nach deinem Namen ge­nannt ist. — Erbarme dich Jerusalems, der Stadt deines Heiligtums, der Stadt, die deine Wohnung ist. Erfülle Zion mit Bereitwilligkeit, deine Lehren an­zunehmen. Gib dem Volk, das von An­beginn dein Werk war, sichere Beloh­nung und erfülle die in deinem Namen gegebenen Verheißungen. Erhöre, Herr, das Gebet derer, die dich rufen, nach dem Segen, den Aharon über dein Volk gesprochen, damit alle, die auf der Erde wohnen, erkennen, dass du Herr der ewige Gott bist.« Ferner: »Ver­sammle alle Stämme Jakobs, lasse sie wieder dein Eigentum sein wie ehe­dem.« »Lasse deine Furcht kommen über alle Heiden; erhebe deinen Arm gegen die fremden Völker, damit sie deine Macht erfahren. Wie du vor ih­ren Augen geheiligt wirst bei uns, so zeige dich an ihnen in deiner Größe vor unseren Augen. Dass sie erkennen, wie wir es erkannt haben, dass es außer dir keinen anderen Gott gibt. « Nach fer­neren Angaben im Talmud waren es auch die Opferbeistandsmänner, maa­madoth, welche das Achtzehngebet während des Bestandes des Opferdiens­tes beteten. Soviel über das Achtzehn­gebet im Ganzen; mehr wissen wir über die Stücke desselben einzeln. Die drei ersten Benediktionen waren schon den Hilleliten und Samaiten während des Tempelgottesdienstes bekannt, die bil­den das Thema mehrerer Diskussionen bei ihnen. In der ersten Benediktion sind: »Gott Abraham, Gott Jizchak und Gott Jakob« nach 5. M. 15; »Gott der Große, der Mächtige und der Ehr-furchtbare« nach 5. M. 10. 13; »höchs­ter Gott« nach 1. M. 14. 19 usw. Der Schluss: »Gepriesen sei der Herr, Schild Abrahams« wird von dem Lehrer R. Simon ben Lakisch im dritten Jahrhun­dert n. erklärt, war also ihm schon bekannt. Die zweite Benediktion: »Du bist mächtig« wird in der Mischna ge­nannt. Ob dieselbe gegen die Leugnung des Auferstehungsglaubens bei den Sadducäern demonstrieren sollte, ist ungewiss, da der Grundgedanke nicht die Auferstehung, sondern das göttli­che Walten, die Anerkennung der gött­lichen Fürsorge und Vorsehung ist. Die dritte Benediktion, die Gottesheiligung. Die vierte: »Die Bitte um Erkenntnis«, wird von dem Lehrer des vierten Jahr­hunderts n., von Rab Joseph: »Die Be­nedeiung um Weisheit«, genannt. Diese ist die erste der mittleren, die das Ge­bet für des Menschen Bedürfnisse ent­halten. Es macht den Alten Ehre, dass sie die Bitte um Erkenntnis als die erste hinstellten. Diese Anordnung wird auf Jesaja 29. 23 zurückgeführt. Die fünfte, die der Buße, deren Reihenfolge nach dem Gebet um Erkenntnis ist, wird auf Jesaja 6. 10 begründet: »sein Herz ver­stehe und er kehre zurück, dass ihm Heilung werde.« Die sechste um die Sündenvergebung, über deren Anrei­hung hier auf Jesaja 55. 7 »und er kehre zum Ewigen zurück, zu unserem Gott, denn er verzeiht oft« begründet wird. Die siebente über die Erlösung von den zeitlichen Leiden heißt »die Benedeiung um Erlösung«. Der Schluss derselben: »denn du bist ein starker Er­löser« ist Jeremia 50. 34 .entnommen. Die achte, die Bitte um Heilung, wird »Die Benediktion für Kranke« genannt; der Wortlaut im ersten Teil ist Jeremia 17. 14, das andere das. 13. 17 entnommen. Die Reihenfolge ist nach Ps. 103. 3. »Er verzeiht alle meine Sünden und heilt alle meine Krankheiten.« Eine Umgestaltung erfuhr dieses Stück in dem Gebetbuch der Sephardim. Die neunte um ein segenvolles, fruchtbares Jahr, führt den Namen: »Segen der Jahre«, sie wurde gegen die Verteurer der Lebensmittel eingesetzt. Das Ge­betbuch der Sephardim hat zwei For­meln von dieser Benediktion, eine für den Winter und eine für den Sommer. Die zehnte, um die Freiheit und Samm­lung der Exulanten, hat auch die Be­nennung: »Sammlung aus den Exilen«, und ist nach der Verheißung in 5. M. 30. 4, Jesaja 27. 13 und Micha 4. 6; auch ihre Reihenfolge gründet sich auf Ezechiel 36. 8. Die elfte, die um Einset­zung gerechter Richter, ist nach Jesaja 1. 27. »Und ich setze wieder deine Richter ein, wie erst; deine Räte wie ehedem«; der Schluss ist nach Hosea 2. 21 und die Schlussbenedeiung nach Ps. 33. 5; 99. 4. Die zwölfte ist die gegen Verleumder und Sünder und heißt, »die Benediktion gegen die Sadducäer oder die Benediktion gegen die Sektierer«, auch: die Benediktion gegen die Ab­sonderer, von der sich viele Formeln, die voneinander abweichen, vorfinden, was von deren Geschichte bis in unsere Tage zeugt. Ein eigenes Geschick wal­tet über diese Gebetsformel, sie war gegen die Sektierer innerhalb des Ju­dentums gerichtet, sollte die Spaltun­gen und die Zerrissenheit in der Mitte der Juden beseitigen und die Einheit unter ihnen wieder herstellen, und doch wurde sie von Seiten der Christen so sehr verkannt und missdeutet, als wenn sie eigens gegen dieselben ver­fasst worden wäre. Die Geschichte die­ser Benediktion ist folgende. In Sirach 33. 1 — 11, in dem Gebet, in dem wir Sätze, ähnlich denen unseres Achtzehn­gebetes, entdeckt haben, wird neben anderen um die Vernichtung der Feinde gebeten. Es ist unzweifelhaft, dass die­ses Verwünschungsgebet gegen die ty­rannischen syrischen Herrscher über Palästina gerichtet war. Diese Benedik­tion, als zum Achtzehngebet gehörig, hieß noch in den späteren Berichten: »Benediktion zur Demütigung der Übermütigen«. Eine neue Wandlung ging mit derselben vor, als unter Janai Alexander die Sadducäer gegen die Pharisäer Verfolgungen anzettelten; sie wurde zur Benediktion gegen die Sad­ducäer umgearbeitet. Man kennt sie von da ab unter dem Namen »Bene­diktion gegen die Sadducäer«, es ist dieselbe, die nach der Zerstörung des Tempels auf Veranlassung des Patriar­chen R. Gamliel II. wieder eine neue Fassung als Benediktion gegen die Sek­tierer im Judentum erhielt. Die Juden, die viel an Parteizerklüftung gelitten hatten, sollten zur Einheit wieder er­starken. Die Mittel dazu bestimmte der Patriarch; es waren Gewaltmaßregeln, aber die Zeit erheischte dieselben, wenn der fernere Bestand des Juden­tums nicht noch mehr fraglich werden sollte. Zu diesen gehörte die Ausscheidung der Sektierer. Ein Gebet gegen dieselben sollte dies aussprechen. Die Talmuden berichten darüber. »Simon Pekuli ordnete das Achtzehngebet von Rabban Gamliel und setzte ihre Rei­henfolge fest.« Da sprach R. Gamliel zu den Weisen: »Ist jemand da, der die Benediktion gegen die Sadducäer« (nach den gegenwärtigen Verhältnis­sen) verbessern, umgestalten könnte. Da erhob sich Samuel der Kleine, der diese Benediktion verbesserte. Aber schon das nächste Jahr sollte er die­selbe in ihrer umgestalteten Form als Benediktion gegen die Sektierer vortra­gen; er wurde still, sann zwei bis drei Stunden nach und vermochte es nicht mehr, er hatte sie vergessen. »Man ver­wies ihn deshalb nicht vom Vorbeter-pult«, schließt der Bericht. Ein wun­derbares Ding; der Abfasser selbst scheut sich die von ihm umgestaltete Benediktion vorzutragen; ging eine Umwandlung in ihm vor? Man be­hauptet dies und bezieht darauf seinen eigenen Ausspruch, wie er in Aboth 4. 19 nach Spr. Sal. 24. 17. 18 von jeder Schadenfreude abmahnt. In Berachoth Jeruschalmi 5. 3 wird obiger Vorfall anders erzählt: »Samuel der Kleine stand vor dem Vorbeterpult und ließ im Vortrag der Benediktion gegen die Sektierer einiges weg. Er sah seine Kol­legen an, aber diese sagten zu ihm nur: >Die Weisen haben nicht so bestimmt.< Man merkt es, wie schwer es ihnen wurde, auf diese Weise gegen die Sek­tierer vorzugehen; es war dem Geiste des Judentums zuwider und kostete viel Überwindung, dem Drange der Zeit nachzugeben. So wurde aus der Benediktion gegen die Sadducäer die Benediktion gegen die Sektierer (Mi­nen) auf dem Boden des Judentums, die nichts mit dem paulinischen Christentum und dessen Anhängern, die sich vom Judentum losgesagt hatten, zu tun hat.« Die dreizehnte Benediktion für die Gerechten bildet den Gegensatz von der vorhergehenden; sie bittet den Segen Gottes über die Frommen im Volk herab. Dieselbe gehört unleugbar der hasmonäischen Zeit an. Wir finden in derselben die verschiedenen religiö­sen Richtungen innerhalb des Juden­tums angegeben: 1. die Zaddikim, als die Gesetzesgerechten, die in Simon dem Gerechten und dessen frommen Nachkommen ihre Oberhäupter hat­ten; 2. die Chassidim, die Frommen, die sich nicht begnügten, nur gesetzes­gerecht zu leben, sondern mehr als dies taten; 3. die Alten, nämlich die Gelehr­ten und 4. der Rest der Sopherim der alten Gelehrten usw. Erwähnt ist diese Benediktion mehrere Mal im Talmud. Über ihre Anreihung zur vorhergehen­den zitieren sie Ps. 75. 11. Die vier­zehnte, um Jerusalems Wiedererbau­ung, hat verschiedene Formeln; die unsrige weicht von der der Sephardim bedeutend ab. Wieder bei anderen lau­tet der Schluss: »Gepriesen sei der Ewige, Gott Davids und Erbauer Jeru­salems! « Die fünfzehnte, um Wieder­einsetzung des Davididen. Dieselbe bildete bei den Palästinensern keine eigene Benediktion, sondern wurde mit der vorhergehenden zu einer vereinigt, aber die Babylonier haben ihr einen Platz extra angewiesen und sie zur selbstständigen Benediktion erhoben. Die Abfassung geschah nach Hosea 3. 5; Jesaja 56. 7; auch da variierte der Text; bei vielen fehlte der letzte Satz. Die sechzehnte, um Erhörung der Ge­bete; sie hieß: »Tephilla«, Gebet, und hat ebenfalls verschiedene Abfassun­gen, die voneinander abweichen. Die siebzehnte, um die wohlgefällige An­nahme und Verherrlichung unseres Gottesdienstes, ist die erste Benedik­tion der drei letzten und führt den Na­men »Aboda«, Priesterdienst. Dieselbe wurde in kürzerer Form täglich beim Morgengottesdienst im Tempel von den Priestern und von den Männern der Opferbeistände gebetet. Auch der Hohepriester sprach sie nach der Vor­lesung aus der Thora. Die Formel der­selben lautete damals: »Habe Wohlge­fallen, Ewiger, unser Gott, an dem Dienst deines Volkes Israel, nimm seine Gebete in Gnaden auf. Gepriesen, Ewi­ger, der du den Dienst seines Volkes Is­raels in Gnaden annimmst!« Der Text dieser Benediktion in unserem Siddur wurde in der Zeit nach der Auflösung des jüdischen Staates bestimmt. Die achtzehnte vom Dank, ist die zweite Benediktion der drei letzten und heißt: »die Danksagung«. Dieselbe ist in flie­ßendem, reinem Hebräisch und hat ein hohes Alter. Die neunzehnte, vom Priestersegen, in der um dessen Erfül­lung gebetet wird. Dieselbe liegt uns in zwei Rezensionen vor, die eine mit den Anfangsworten: »Befiehl über uns und über Dein ganzes Volk Israel Frieden« und die andere mit: »O, möchtest Du Deinem Volke Israel allgemeinen Frie­den geben für ewige Zeit! «, von deren erstere für das Morgen-, Mussaf- und Minchagebet und letztere für das Abendgebet bestimmt wurde. Dieselbe hat 4. M. 6. 27 und Ps. 29 zu ihrer Be­gründung und wird nach dem Priester­segen gesprochen. II. Feststellung der Texte, Opposi­tion, kürzere Fassung, Zahl der Bene­diktionen, Überwachung, Einschiebsel und Zusätze. Die redaktionelle Fest­stellung der Texte dieser Benediktio­nen, die, wie bereits angegeben, auf Anordnung des Patriarchen R. Gamliel II. gegen Ende des ersten Jahrhunderts n. von Simon Pekuli vorgenommen und für den täglichen Gottesdienst be­stimmt wurde, hatte viele Gegner her­vorgerufen. »Das Gebet sollte ein Er­guss des Herzens vor Gott bleiben, aber nicht durch feststehende Formel fixiert werden« — lautete die Gegen­stimme des Zeitgenossen R. Elieser. »Wer sein Gebet nach bestimmter For­mel verrichtet, dessen Gebete sind keine Andachtsergüsse«, lautete die Gegenlehre des R. Elieser. In demsel­ben Sinne sprach sich auch der Geset­zeslehrer R. Simon b. J. im zweiten Jahrhundert n. aus: »Sei eingedenk des Schema und der Tephilla (des Acht­ zehngebetes), und so du betest, mache dein Gebet nicht zur feststehenden For­mel, sondern es sei (ein Herzenserguss) um Barmherzigkeit vor Gott.« Diese Opposition gegen bestimmte Gebets­formen machte sich bei den Lehrern des dritten und vierten Jahrhunderts n. geltend. R. Jose lehrte: »Man muss tagtäglich im Gebet etwas erneuern.. Von R. Elasar wird erzählt, er habe täglich ein neues Gebet verrichtet. Ebenso soll R. Abbahu täglich eine neue Benediktion gesprochen haben. Beide mahnten diejenigen, welche nach bestimmten abgefassten Gebetsformeln beteten: »dass sie dieselben nicht wie einen Brief ablesen!«, aber auch dieje­nigen Lehrer, die sich für feste Gebets­formen erklärten und an den von Gam­liel bestimmten achtzehn Benediktionen festhielten, konnten nicht umhin, neue Einschiebsel und Zusätze zu denselben hinzuzufügen, von denen später viele angenommen und als feststehende Ge­betsformeln unserem Achtzehngebet einverleibt wurden. Eine zweite Oppo­sition erhob sich gegen die Anordnung R. Gamliel II., das Achtzehngebet nach den vorgeschriebenen festen Benedikti­onsformeln täglich zu verrichten. R. Josua, der Abbethdin und Stellvertreter des Synhedrialpräsidenten, erklärte ihm gegenüber, dass man nicht das ganze Achtzehngebet, sondern nur et­was von jeder der achtzehn Benedikti­onen täglich zu verrichten brauche. Diese Gegenäußerung R. Josuas hatte noch in der Mitte des dritten Jahrhunderts n., in den Lehren Rabh und Sa­muel ihre Anhänger, die dieselbe vor­trugen und erklärten. Samuel verfasste im Sinne derselben ein kurzes Gebet, das an die Stelle der mittleren dreizehn Benediktionen treten und in Verbin­dung mit den ersten und letzten drei Benediktionen als ein kurzes Achtzehn­gebet für das tägliche Gebet unter dem Namen: Habinenu, verrichtet werden sollte. Aber auch dieses Gebet fand seine Gegner. Im vierten Jahrhundert n. erklärte sich Abaji dagegen und fluchte denjenigen, die das Habinenu Gebet verrichteten. Einen Ausgleich gab schon R. Akiba (gegen Ende des ersten Jahrh. n.) an, der zwischen R. Josua und R. Gamliel vermitteln sollte; er erklärte: »Ist das Achtzehngebet ihm geläufig, so bete er dasselbe, wenn nicht, bete er nach Angabe R. Josuas einen Teil von demselben.« Die spätere Entscheidung war, das Habinenugebet nur in äußersten Fällen zu verrichten. Ebenso dispensierte man von dem Achtzehngebet diejenigen, die auf ge­fahrvollen Wegen reisten und verfasste für dieselben ein kurzes Gebet. Wir be­sitzen derartige kurze Gebete von R. Josua, von R. Elieser, R. Elieser b. Za-dok und anderen Gelehrten. Wir nennen hier das Korrekteste, das des R. Elieser; es lautet: »Deinen Willen, Herr, voll­führe im Himmel oben, gewähre unten Freude denen, die dich ehrfürchten und was dir gut dünkt, tue. Gepriesen seist du, Herr, Erhörer des Gebetes.« Auch für die Zahl der Benedeiungen dieses so genannten Achtzehngebetes herrschte lange Zeit Verwirrung. Es sollten acht­zehn sein, aber nach einer genauen Zäh­lung ergab sich ihnen bald siebzehn, bald achtzehn und neunzehn, wie war dies möglich? Nach dem palästinensi­schen Ritus zog man, wie wir schon angegeben haben, die zwei Benediktio­nen, die fünfzehnte und sechzehnte, von den Davididen und Jerusalem, in eine zusammen und die Benediktion gegen die Sektierer (Minin) fehlte auch, so wurde das Achtzehngebet als nur aus siebzehn angegeben. Ein R. Chona sucht den Ausgleich mit der angegebe­nen Zahl achtzehn Benedeiungen da­hin, dass dieselbe in der in Jabne abge­fassten Benediktion gegen die Sektierer berechnet ist, während diejenigen, die die Zahl siebzehn annehmen, diese nicht mit einschließen. Wir hätten also die Zahl achtzehn ermittelt. Es bleibt noch die Erklärung, wie passt dies zum Achtzehngebet bei uns, das neunzehn Benedeiungen enthält. Die Antwort darauf ist, dass die Benediktion um den Davididen und Jerusalem, die nach oben eine war, in zwei Benediktionen geschrieben wurde. Die Zahl achtzehn Benediktionen war daher bei den Pa­lästinensern, dagegen vermehrte sich dieselbe bei den Babyloniern auf neun­zehn. Diese und ähnliche Verwirrung mochte wohl den Wunsch nach Über­wachung der Gebetsvorträge erweckt haben. »Von der Zeit der Festsetzung und Bestimmung der achtzehn Bene­deiungen ist es verboten, weitere Lobeserhebungen aufzuzählen.« Im drit­ten Jahrhundert n. mahnte R. Jochanan: »Wer sich übermäßig in den Lobprei­sungen Gottes ergeht, sollte von der Welt kommen.« Vor R. Chanina (im 3. Jahrh. n.) in Palästina erlaubte sich ein Vorbeter im Achtzehngebet Gott meh­rere Eigenschaften beizulegen. Da rief ihm dieser zu: »Bist du mit allem Lob fertig? Man dürfte nicht einmal die drei Eigenschaften Gottes: >groß, mäch­tig und furchtbar< nennen, wären sie nicht uns von den Männern der großen Synode bestimmt worden. Wenn wir einen Besitzer von tausenden und tau­senden Golddenaren loben wollten, dass er tausende Silberdenaren besitzt, wäre das keine Erniedrigung? « Es wur­den mehrere Bestimmungen getroffen, wo der Vorbeter bei Übertretung der­selben vom Vorbeterpult abtreten muss, als z.B. wer zweimal »modim, modim«, wir danken dir u. a. m. sagt. Dennoch konnte man es nicht verhin­dern, dass von Zeit zu Zeit da und dort Einschiebsel und Zusätze zu den fest­gestellten achtzehn Benedeiungen not­wendig wurden. Steht ja die Zeit nicht still, die Ereignisse wechseln so ver­schieden und das Menschenherz sucht bei Gott Trost und Aufschluss. Die Li­turgie des Judentums besitzt daher aus den verschiedenen Jahrhunderten eine Menge von neuen Gebeten, die bald als Einschiebsel in die geschlossenen Bene­deiungen, halb als Zusätze am Ende derselben gebetet wurden. Wir wollen hier noch diese Gebetseinschiebsel und Gebetszusätze aus den Jahrhunderten der talmudischen Zeit kennen lernen. Der erste Zusatz ist der Vers aus Ps. 51. 17: »Herr, meine Lippen öffne und mein Mund wird dein Lob verkün­den! « Er steht hier als Einleitung zum Achtzehngebet und kommt im Talmud vor. Das erste Einschiebsel in der ersten Benediktion für das Neujahrs- und Versöhnungsfest: »Gedenke unser zum Leben« ist nachtalmudisch, aus der Zeit der Gaonen im achten Jahrhun­dert n. Das zweite Einschiebsel ist das Gebet um Regen in den Wintermona­ten. Die Sephardim haben dieses Ein­schiebsel mit dem Schluss als Gebet um den Tau auch für die Sommermonate. Ersteres hat den Namen, die Macht des Regens. Das dritte Einschiebsel ist ebenfalls in der zweiten Benediktion am Ende für den Neujahres- und Ver­söhnungstag, wohl Ps. 78. 39 und 103. 13 nachgebildet. Ein viertes ist in eine hinter der siebenten Benediktion einge­schobene ganze Benediktion für den Fasttag, die nach dem Talmud ein ho­hes Alter hat, aber heute in zwei For­meln vorhanden ist, von denen eine bei den Sephardim und die andere bei uns in Gebrauch ist. Dieselbe hat die Bibel­stellen Nehemia 9. 37; 5. M. 9. 27; Ps. 27. 9; 55. 2; 119. 76; Jesaja 65. 24. Der Schluss kommt in der Mischna oft vor. In der neunten Benedikition um ein fruchtbares Jahr wechseln die Aus­drücke für den Sommer und für den Winter, »und gewähre Tau und Re­gen! « In der vierzehnten Benediktion um Jerusalem ist ein Einschiebsel des Trostes für den Trauertag am neunten Ab, schon von R. Acha im dritten Jahrhundert n. genannt. In der sech­zehnten ist wieder ein Einschiebsel für einen Fasttag zum Minchagebet. In der ersten der drei Benediktionen ist die Gebetseinschaltung für Neumond, Mittelfeiertage, Chanuka und Purim. Dieselbe ist ebenfalls aus der talmu­dischen Zeit. Auch die zweite Benedik­tion hat ein Einschiebsel für Purim und Chanuka. Mehr interessieren uns die Zusätze am Schluss des Achtzehnge­betes. Dieselben sind von den Lehrern des dritten, vierten und fünften Jahr­hunderts n., als von R. Juda I., R. Elasar, R. Jochanan, Rabh, R. Sera, R. Chija, Rab Saphra, R. Alexander, Raba, Rab Hamnuna, der Kleine u. a. m. In diesen Zusätzen spricht sich das individuelle Verlangen jedes Ein­zelnen aus. So lautete der Zusatz des ersteren: »Möge es dein Wille sein, un­ser Gott, mich zu retten von der Frech­heit, von bösen Menschen, bösem Be­gebnis, bösem Triebe, schlechtem Genossen, schlechtem Nachbar usw.« Der des Zweiten: »Ewiger, unser Gott! Lasse in unserer Mitte Liebe, Brüder­lichkeit, Frieden und Geselligkeit wal­ten, vergrößere den Kreis unserer Jün­ger, lasse unser Ziel glücklich ausführen usw.« Der des Dritten: »Mögest du, Herr, blicken auf unsere Schmach und schauen auf unseren Sinn; kleide dich in deine Barmherzigkeit, hülle dich in deine Macht und in deine Liebe. « Der des Vierten: »Dass du uns gewährst langes Leben, ein Leben des Friedens, des Guten, des Segens, der Nahrung, der Kraftfülle, der Gottesfurcht usw.« Der des Fünften: »Herr! Wir flehen, dass wir nicht fehlen und beschämt werden usw.« Der des Sechsten: »Möge es dir, Herr, gefallen, dass das Thoras­tudium unsere ausschließliche Beschäf­tigung wäre, wir von keinem Herzens-schmerz heimgesucht werden, dass unsere Augen sich nicht verdunkeln usw. «