Automatic Backlinks
Schüler | Talmud

Schüler

Posted 2 mos ago

Wir geben hier die talmu­dischen Lehren, die sich auf den Schü­ler beziehen.

I. Seine Würdigung. Die Beziehun­gen des Schülers zu seinem Lehrer wa­ren innig und wurden denen des Vaters zu seinem Kind gleich gehalten. Der Lehrer hieß dem Schüler gegenüber »Vater« und dieser »Sohn«. »Die Kin­der, die dir Gott gegeben« (Jesaja 8. 18), lautete der Prophetenruf an Jesaja. Aber der Prophet Jesaja hatte ja keine Kinder! Das waren seine Jünger, die er so liebte wie seine Kinder. Ferner: »Und schärfe sie deinen Kindern ein« (5. M. 5. 7), deinen Kindern, das sind die Schüler, denn es heißt: »Kinder seid ihr des Ewigen eures Gottes« (5. M. 14. 1). Wie die Schüler »Kinder seid ihr des Ewigen eures Gottes« (5. M. 14. 1). Wie die Schüler »Kinder« genannt wurden, so hieß der Lehrer »Vater«; denn so schrie der Prophet Elisa dem scheidenden Propheten Elia nach: »Mein Vater, mein Vater!« Diesem ge­sellt sich ein dritter Lehrspruch: »Es sei dir die Ehre deines Schülers so lieb wie die deinige.« Die Lehren bildeten die Prinzipien eines großen Teils der tal­mudischen Pädagogik.

II. Die Verschiedenheit der geistigen Anlagen und Fertigkeiten. Die Kennt­nisnahme von der Verschiedenheit der Befähigung der Schüler ist die Haupt­bedingung einer richtigen Schuldiszi­plin; sie bildet die Grundlage für die Beurteilung der Leistungsfähigkeit der­selben. Es werden uns hier mehrere Angaben darüber mitgeteilt.

a. »Vier Eigenschaften bemerken wir bei den Schülern vor ihren Lehrern: die des Schwammes, des Trichters, der Seihe und der Schwinge. Der Schwamm saugt alles auf; der Trichter nimmt al­les auf, aber lässt auch alles wieder hi­naus; die Seihe lässt den Wein durch und behält die Hefe zurück und die Schwinge entfernt das grobe Mehl und behält das feine.«

b. »Vier Gestalten begegnen uns bei den Schülern: Einige fassen leicht und verlieren leicht, hier wiegt der Schaden den Gewinn auf; die anderen begreifen schwer und vergessen schwer, da ist der Schaden durch den Gewinn ersetzt; die Dritten lernen leicht und vergessen schwer, die haben einen guten Teil und die Vierten nehmen schwer auf, aber verlieren schnell, das ist eine böse An­lage.«

c. Es zählte R. Jochanan b. S. das Lob seiner Schüler in Folgendem auf: »R. Elieser ist eine wohl vertünchte Zisterne, die keinen Tropfen Wasser verliert; R. Josua ben Ch., Heil dem Vater, der ihn gezeugt; R. Jose ist ein Frommer, R. Simon ein Gottesfürchtiger und Elasar ben Aruch gleicht einem immer frisch sprudelnden Was­serquell. «

d. R. Issa ben Jehuda gibt die fol­gende Klassifikation der Jünger nach ihren Geistesanlagen an. »R. Mair ist ein Weiser und ein Schreiber; R. Tarfon gleicht einem Nusshaufen, bei Berüh­rung des einen wird das andere in ihm mit in Bewegung gesetzt; R. Ismael gleicht einem Laden voll mit Vorräten; R. Akiba einem wohlgeordneten Schatz; R. Jochanan einer wandernden Bude, wo ohne logische Anordnung nichts aufgenommen wird; R. Eliesar b. Asaria einem Gewürzbehälter; er nimmt wenig, aber wohl durchdacht auf; R. Eliesar einem reinen Maß; R. Jose sieht bei allen auf den Grund; R. Simon ist einem Müller ähnlich, der wenig, aber das beste Getreide mahlt und die Kleie wegwirft.« Wir haben hier in den ersten zwei Aussprüchen die Theorien und in den letzten zwei die lebendigen Beispiele derselben.

III. Bedingungen zum Erwerb von Kenntnissen. Sind auch die Anlagen verschieden, so dürfen dieselben weder die einen stolz erheben, noch die ande­ren vom Erwerb der Kenntnisse ab­schrecken. Gegen erstere sind die Leh­ren: »So du viel gelernt, bilde dir darauf nichts ein, denn dazu bist du erschaf­fen.« »Mache sie (die Lehre) nicht zur Krone, um mit ihr zu stolzieren, auch nicht zur Grabscheide, um mit ihr zu graben.« Ferner: »Ein wohlwollendes Auge, ein demütiger Geist und eine an­spruchslose Seele sind die Eigenschaf­ten der Jünger Abrahams.« Dagegen wird in Bezug auf die Zweiten gelehrt, dass es keinem Menschen an Fähigkei­ten gebricht, um sich nicht Kenntnisse aneignen zu können. Fester Wille und die opferfreudige Hingebung ersetzen die bevorzugten Geistesanlagen. »Elia, der Prophet«, heißt es in einer Sage, »begegnete auf seinen Reisen einem Mann, der ihn bespöttelte.« Er drehte sich um und rief diesem zu: »Was wirst du einst vor Gott sagen, dass du keine Thora gelernt?« »Da werde ich ant­worten«, entgegnete er: »Man hätte mir Verstand und Herz hierzu geben sollen.« »Welches Gewerbe betreibst du?«, wiederholte jener. »Ich werfe Netze aus und jage nach Vögeln und Fischen.« »Ha, Verstand hast du zur Anfertigung von Netzten und zum Fangen der Vögel und Fische, solltest du keinen haben zum Thorastudium? « Die Lehren, welche dem Minderbegab­ten ratend helfen wollen, lauten: »Nicht der sich Schämende lernt und nicht der Zornsüchtige lehre.« Ferner: »Schaffe dir einen Lehrer an, erwirb dir einen Genossen und beurteile jeden Menschen nach der Seite der Un­schuld.« »Die Thora wird oft mit Was­ser verglichen« (Jesaja 55. 1), als Lehre: »Wie der Mensch sich nicht schämt, Wasser zu fordern, so schäme man sich nicht Belehrung auch bei Geringeren zu suchen.« Oder: »Wie das Wasser von der Höhe nach dem Niedrigen strömt, so fließt die Thora nur dem zu, der bescheiden ist.« »Weshalb sind Wasser, Milch und Wein Sinnbilder für die Thora? Der Lehre wegen, wie diese Getränke am besten in Gefäßen, gering an Wert, aufbewahrt werden, so bleibt die Thora nur bei dem, der sich klein dünkt!« Ferner: »Die Lehre ist nicht im Himmel, nicht jenseits des Meeres; d. h. du findest sie weder bei dem, der stolz sein Haupt gegen den Himmel erhebt, noch bei dem, dessen Sinn weit wie das Meer ist, ebenso nicht bei den Hoch­mütigen, Kaufleuten und Krämern. « Es werden für den Schüler auch die Lehren von den unerlässlichen Bedin­gungen seines Studiums angegeben.

1. Fleiß. »Nicht auf dir liegt die Ar­beit zu vollenden, aber du bist nicht frei, sie von dir zu weisen.« »Sprich nicht, wenn ich Zeit habe, werde ich lernen, vielleicht hast du sie nie.« »Nach der Mühe ist der Lohn.« Sagt man: »Ich habe mich abgemüht und nichts gefunden, glaube nicht; ich habe mich nicht abgemüht und gefunden, glaube ebenfalls nicht; aber sagt man: ich habe mich abgemüht und gefun­den, so glaube!«

2. Entsagung. »Das ist die Weise der Lehre: Brot mit Salz genieße, Was­ser nach Maß trinke, auf der Erde schlafe, ein Leben mit Not führe. Tust du das, dann Heil dir.«

3. Aufsuchen einer Lehrstätte. »Be­gib dich nach einem Ort, wo Lehre ge­pflegt wird und rede dir nicht ein, dass sie zu dir kommen werde, deine Ge­nossen werden sie für dich erhalten und stütze dich nicht auf deine Ein­sicht.« »Dein Haus werde eine Sam­melstätte der Weisen, lasse dich bestäu­ben von dem Staub ihrer Füße und trinke mit Durst ihre Worte.«

IV. Lebensführung und Betragen. Das erste Erfordernis ist Religion. »Wehe dem, der sich mit der Thora be­schäftigt und ohne Gottesfurcht ist!« »Wo die Gottesfurcht der Weisheit voran geht, bleibt die Weisheit, aber wo die Weisheit der Gottesfurcht voran zieht, bleibt die Weisheit nicht.« Das zweite: die Aufrichtigkeit. »Der Weis­heitsjünger, dessen Äußeres nicht dem Inneren entspricht; im Herzen anders denkt und mit dem Mund anders re­det, ist kein Weisheitsjünger.« Das dritte: die sittliche Führung. Wir zitie­ren darüber die Mahnung des Lehrers Abaji im vierten Jahrhundert n. Es heißt: »Liebe den Ewigen, deinen Gott«, d.h. dass der Name Gottes durch dich geliebt werde. Man lerne, eigne sich Kenntnisse an, gehe mit Wei­sen um, aber sein Tun und Lassen mit den Leuten sei rechtschaffen und seine Rede sanft, damit die Leute sagen: »Heil dem Lehrer, der ihm die Lehre beigebracht hat; wehe den Leuten, die keine Thora gelernt.« Seht her, dieser da, er hat Thora gelernt, wie schön sind seine Wege, wie vollendet seine Werke, von dem heißt es: »Mein Knecht bist du, dessen ich mich rühme (Jesaja 49. 3).« Aber wer gelernt, Um­gang mit Weisen gepflegt, aber in sei­nem Verkehr mit Menschen unredlich ist, keine sanfte Rede mit ihnen führt, da sprechen sie von ihm: »Wehe, der hat Thora gelernt ... « wie verdorben sind seine Werke, wie hässlich seine Wege, von dem heißt es: »Ein Volk Gottes ist es und sein Land hat es ver­lassen (Ezechiel 36. 20).«