Automatic Backlinks
Simon der Gerechte | Talmud

Simon der Gerechte

Posted 4 mos ago

Hohen­priester und Gesetzeslehrer, der zu den letzten Gliedern der großen Synode ge­zählt wird. Hohepriester aus der Zeit der ersten Hälfte des zweiten jüdischen Staatslebens in Palästina, namens »Si­mon«, kennt die jüdische Geschichte nur zwei, den Sohn Onias I., Enkel des Hohenpriesters Jaddua und den Sohn Onias II., Enkel des Simon I. Wer von diesen den Beinamen »der Gerechte«, zaddik, erhielt, darüber haben die ver­schiedenen Berichte im jüdischen Schrifttum widersprechende Angaben. Der Geschichtsschreiber Josephus, mit dem auch einige talmudische Notizen übereinstimmen, hält den Hohenpries­ter Simon I. als den, den das Volk »Si­mon den Gerechten« genannt hat, da­gegen geht aus anderen verschiedenen talmudischen Stellen hervor, dass es Si­mon II. war. Diese Widersprüche las­sen sich nur dadurch heben, dass wir beide Simon mit diesem Beinamen »der Gerechte« bezeichnet annehmen. Wir folgen dieser Annahme in unserer Dar­stellung des Lebens und Wirkens dieser zwei Männer.

  1. Sohn Onias I., Enkel des Hohen­priesters Jaddua, Hohepriester von 310 bis 291. Derselbe wird, wie bereits an­gegeben, von Josephus, »Simon der Gerechte« genannt. Von ihm erzählt das talmudische Schrifttum, dass er an der Spitze einer Jüdischen Gesandt­schaft Alexander dem Großen entge­gen gezogen war und von ihm äußerst freundlich empfangen wurde. Der schon erwähnte jüdische Geschichts­schreiber Josephus nennt den Hohen­preister Jaddua, den Großvater Simon I., der mit Alexander dem Großen eine Zusammenkunft hatte, was in Bezug auf die oben angegebene Jahreszahl 310 — 291, wenn wir dieselbe nicht hö­her hinaufrücken, entsprechender scheint. Den Beinamen »Gerechter« erhielt er wegen seines frommen Wan­dels gegen Gott und seiner wohlwol­lenden Gesinnung gegen seine Stam­mesgenossen.

  2. Sohn des Onias II., Enkel des Si­mon I., einer der würdigsten Hohen­priester von 210 — 199 v., den das jüdi­sche Schrifttum als Ideal des Priestertums durch Sage und Dichtung verherrlicht. Wir nennen von demsel­ben erst das Buch Sirach, das im Kapi­tel 5o sich ausschließlich mit ihm be­schäftigt und ihn als Muster des Priestertums aufstellt. Von seinen Ver­diensten nennt dasselbe die Befestigung des Tempels. Er ließ den Tempelgrund noch einmal so hoch aufführen und das hohe Gehege herstellen. Ein zwei­tes nicht minder wichtiges Werk von ihm war die Herstellung eines Wasser­behältnisses unterhalb des Tempel­grundes, das mittels eines unterirdi­schen Kanals aus der Quelle Etams stets mit frischem Wasser versehen war. Dadurch hatte der Tempel einen Was­serreichtum für den Opferkultus und konnte auch in Kriegszeiten eine län­gere Belagerung aushalten. Auch eine Befestigung der Stadt durch einen Wall wird ihm zugeschrieben. So wird er in diesem Buch als »der Angesehenste un­ter seinen Brüdern und die Krone sei­nes Volkes« gepriesen oder wie es im griechischen Text daselbst heißt: »Er sorgte für das Volk, um es vor Unfällen zu bewahren!. Der Verfasser, wohl ein Zeitgenosse desselben, ist für ihn so sehr begeistert, dass er ihn in einem Hymnus zu verewigen sucht; einem Lobgedicht, das später in die Gebete der Juden für den Versöhnungstag übergegangen. Wir zitieren dasselbe, weil es für die Kenntnis der jüdischen Poetik nicht ohne Interesse ist; es lau­tete: »Wie herrlich strahlte er, wenn ihn das Volk umgab, wenn er hinter dem Vorhang des Allerheiligsten her­vor trat! Wie der Morgenstern durch die Wolken, wie der Mond in den Ta­gen des Vollmondes! Wie die Sonne auf dem Tempel des Höchsten wieder-strahlt, wie der prächtige Regenbogen zwischen den Wolken glänzt! Wie die blühende Rose in den Tagen des Frühlings, wie Lilien an den Wasserquellen, wie die Gewürzstaude in den Tagen des Sommers! Wie angezündeter Weih­rauch im Rauchfass, wie ein Gefäß von gediegenem Gold mit allerlei Edelstei­nen verziert! Wie ein fruchtprangender Ölbaum, wie eine in die Wolken em­porragende Zypresse! Wenn er den schönen langen Rock anzog, wenn er den ganzen Schmuck anlegte und zum heiligen Altar hinaufstieg, er erleuch­tete den ganzen Raum des Heiligtums! Wenn er die Opferstücke aus den Hän­den der Priester nahm und er selbst am brennenden Opferaltar dastand, umge­ben im Kreis seiner Brüder, so war er wie ein Zedernzweig auf dem Libanon und sie (die Priester) umringten ihn wie Palmenzweige.« Das zweite Buch, das von Simon II. spricht, ist das dritte Makkabäerbuch; es erzählt von dem Hohenpriester Simon zur Zeit Pto­lomäus Philopator (im J. 221 — 201 n.), dass sein Gebet gegen die beabsichtigte Tempelentweihung auf wunderbare Weise erhört wurde. Ähnliches wird an verschiedenen Stellen im talmudischen Schrifttum, erzählt: »Gaskalgas (= Se­leucus, irrtümlich für Philopator) be­absichtigte eine Bildsäule im Heiligtum zu Jerusalem aufstellen zu lassen. Die Nachricht hiervon traf am Tag vor dem Fest ein. Simon der Gerechte beruhigte das Volk und sprach, man möchte ge­trost das Fest begehen, der Herr werde solche Entweihung schon abwenden.« Man berichtet, er vernahm eine Stimme aus dem Allerheiligsten: »Das Vorhaben des Feindes ist gestört; Gaskalgas ist ermordet und seine Beschlüsse sind vereitelt!. Schon aus diesen Stellen geht genügsam hervor, dass wir es hier nicht mit dem Hohenpriester Simon I., sondern mit dem Enkel desselben, mit Simon II., zu tun haben. Aber noch deutlicher als hier spricht sich dies in den Stellen bei Josephus und in Philo aus, wo von der großen Gunst berich­tet wird, in der Simon der Hohepries­ter bei Antiochus dem Großen gestan­den, was sich unstreitig nur auf Simon II. beziehen kann. Eine genauere und bestimmtere Markierung der Zeit, in der dieser Simon der Gerechte gelebt und gewirkt hat, ergeben deutlich die anderen talmudischen Berichte über ihn. In der Mischna Abot 1. 2 heißt es: Simon der Gerechte war von dem Rest der »großen Synode«. Die große Sy­node existierte bekanntlich zur Zeit des makkabäischen Aufstandes nicht mehr; sie wurde unter der Syrerherr­schaft, die gegen jede jüdisch nationale Institution ankämpfte, aufgelöst. Zu den letzten Männern, als Rest der gro­ßen Synode, gehörte, nach diesem Be­richt in der Mischna, Simon der Ge­rechte, der nur Simon II. sein kann, unter dessen Sohn, Onias III., das schwere Gewitter der syrischen Religi­onsverfolgungen und der makkabäi­schen Aufstände sich entladen hatte. Der Beiname »Gerechter« ist ein Stich­name, der, wie wir dies im Artikel »Sadducäer« dargetan haben, der Par­tei oder der religiösen Richtung entnommen war, der er angehörte. Es war die Partei der Gerechten, die in der Mitte zwischen den Hellenisten und den Chassidäern stand und zu ihrem Grundsatz hatte, nicht den Hellenisten, welche die Auflösung alles Jüdischnati­onalen, die Vernichtung aller religiösen jüdischen Institutionen anstrebten, zu folgen, aber sich auch nicht den Chas­sidäern, die religiöse Erschwerungen häuften und kein Jota zu Gunsten der Zeitansprüche opfern wollten, anzu­schließen, sondern den Anforderungen der Zeit soweit nachzugeben, soweit sich dasselbe mit dem jüdischen Gesetz verträgt, nicht dasselbe zerstört oder gar aufhebt. Seine Lehre, wie sie uns in den Sprüchen der Väter erhalten ist und diese seine Stellung zu den genann­ten zwei religiösen Parteien kennzeich­net, lautete: »Auf drei Gegenständen beruht die Welt, auf der Lehre (Thora), dem Gottesdienst (Aboda) und auf Lie­beswerken (gemiluth chassadim).« In diesem Ausspruch werden die partiku­laristischen Bestrebungen der Parteien, die Sonderungsgelüste der Chassidäer und der Hellenisten bekämpft und das Judentum in seiner Totalität, in seiner Lehre, dem Gottesdienst und seinen Liebeswerken, zur Befolgung aufge­stellt. Eine weitere Kennzeichnung die­ser, seiner religiösen Richtung als der der Gerechten, der Gesetzesgerechten, die nur dem Gesetze gerecht werden wollten und jeder Erschwerung und Übertreibung der Chassidäer abhold waren, gibt uns der talmudische Bericht, dass Simon der Gerechte nie von dem Opfer eines Nasiräers gegessen habe mit Ausnahme eines einzigen Ma­les, wo das Nasiräergelübde nicht in den Gelüsten der Chassidäer nach Na­siräergelübden wurzelte. Die Zeit selbst unseres Simons des Gerechten als die, welche unmittelbar in die der gewalt­samen Hellenisierung des jüdischen Volkes durch die Syrerherrschaft aus­lief, finden wir in mehreren Talmud-stellen, wo über Simon den Gerechten gesprochen wird, angegeben. »Seit dem Tod Simons der Gerechten hörten die Priester auf (oder nach anderer Leseart: hielten sich die Priester zurück), den Namen Gottes, das Tetragammaton, in ihrer Segenserteilung auszusprechen.« Man befürchtete irgendeine Missdeu­tung oder Entweihung desselben durch das überhandnehmende Griechentum. Eine zweite Stelle spricht von den Süh­nezeichen, die im Tempeldienst unter dem Hohenpriester Simon dem Ge­rechten gesehen wurden, aber nach sei­nem Tod sich nicht mehr zeigten. »Das Los des Opfers für Gott (3. M. 16. 7) kam Simon dem Gerechten stets in die rechte Hand; der rote Faden an diesem Opfer (daselbst) wurde bei ihm immer weiß und deutete die Sündenvergebung durch Gott an (Jesaja 1. 18); das Licht an der Abendseite des Tempels leuch­tete unter ihm und erlosch nie; das Feuer auf dem Altar brannte stets hell auf und die Priester brauchten nur we­nig Holz hinzuzutun; der Segen wurde sichtbar bei der Erstlingsgarbe, bei den zwei Opferbroten und bei den Schau­broten, aber nach seinem Tod fehlte dieses alles u.a.m.« Wir mögen von dieser Stelle halten, was wir wollen, sie selbst als sagenhaft bezeichnen, immer­hin enthält sie die Zeichnung der Zeit unmittelbar nach ihm, die eine ge­trübte, dem Judentum nicht mehr freundliche war und als die der helle­nistischen Umtriebe bezeichnet werden kann. Weiter wird von ihm erzählt, dass er zwei Mal die Herrichtung der roten Kuh, deren Asche zur Sprengrei­nigung verwendet wurde, vorgenom­men und für jede einen besonderen Laufsteg auf eigene Kosten herstellen ließ. Endlich nennen wir noch die tal­mudischen Notizen über die Anzahl der Jahre seiner hohenpriesterlichen Amtstätigkeit. Dieselben werden auf vierzig angegeben, was wir in Betracht der oben angegebenen Zeit als eine un­genaue, hyperbolische, bezeichnen. Sein Todesjahr soll er im Voraus ver­kündet haben. Die Sage hat darüber: »An dem Jahr, an welchem er starb, sagte er: >ich sterbe in diesem Jahr!< Da fragte man ihn: >Woher weißt du das?< Er antwortete: >An jedem Versöhnungs­tag, als ich in das Allerheiligste des Tempels einzog, begleitete mich ein al­ter Mann in weißen Gewändern, er ging mit mir hinein und zog mit mir heraus. Aber an dem Versöhnungstag dieses Jahres begegnete mir ein in schwarzem Anzug gekleideter Greis, der mit mir in das Allerheiligste hinein­ging, aber nicht mit mir heraus kam.< Es geschah, wie er vorausgesetzt hat. Er wurde gleich nach dem Fest krank und starb nach sieben Tagen.« Vor sei­nem Tod soll er, so heißt es an einer anderen Stelle, seinen Sohn Onias zum Nachfolger bestimmt haben, der je­doch von seinem Bruder Simei (Simon) verdrängt wurde. Auch dieser Bericht passt für Simon II., dessen Sohn Onias III. durch den Tempelaufseher Simon und seinen Bruder Menelaos in Antio­chien angeklagt und entsetzt wurde.