Antiochien, אנטוכיא

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Antiochia, Antiochien, das Große, oder in Bezug auf die vier Theile dieser Stadt: Gevierte Stadt, ferner zum Unterschiede von dem Antiochien auf dem Gebirge Taurus und dem in Karien: Antiochien Epidaphne, Antiochien bei Daphne, von dem in der Nähe befindlichen Daphnehaine. Bedenteude Stadt in Syrien, die Haupt- und Residenzstadt des syrischen Reiches unter den Seleucidischen Königen, später Sitz des römischen Proconsuls. I. Lage, Größe, Umfang und Theile. Ihre Lage war zwischen Bergen, am südlichen Ufer des Orontes in einer schönen, fruchtbaren Ebene, 120 Stadien vom Meere, 65 deutsche Meilen von Jerusalem entfernt. Sie hatte einen Umfang von 2 1/2 geogr. Meilen, war von hohen Mauern umgeben und bestand aus 4 Theilen, die allmählig erbaut und befestigt wurden. In ihr hatte Herodes I. eine Straße 20 Stadien lang erbauen und mit Marmor pflastern lassen. In ihrer Nähe befand sieh der berühmte Daphne-Hain. Es war dies der Lorbeer-Hain Daphne, der dem Apoll geheiligt und zur Freistätte benutzt wurde. Außerdem besaß die Stadt einen regelmäßigen Marktplatz, Basiliken u. a. m. Umgrenzt war sie nördlich von den Gebirgsketten des Aman und Layoms, sowie südlich vom Abfall des Gebirges Cassius. II. Geschichte. Antiochien wurde von Seleukus Nikator 301 v. erbaut und bald zur Haupt- und Residenzstadt des Reiches erhoben. Es blühten in ihr Künste und Wissenschaften. Unter der römischen Herrschaft war sie der Sitz des Proconsuls und wuchs so sehr an Einwohnern und Kunstschätzen, daß sie die dritte Stadt (nach Rom und Alexandrien) des ungeheuren römischen Reiches genannt wurde. Die Einwohner waren genuß- und vergnügungssüchtig. Einen großen Theil dieser Bevölkerung machten die Juden aus, die eine sehr schöne, mit Weihgeschenken gefüllte Synagoge hatten und unter einem Ethnarch standen, sonst gleiche Rechte mit den andern Griechen genossen.‎ Auch eine christliche Gemeinde bildete sich dort sehr früh, die später der Mittelpunkt der Christenheit in Vorderasien wurde, wo der Patriarch der christlichen Kirche von Asien seinen Sitz hatte. Der Talmud erzählt von verschiedenen religiösen Disputationen, welche die Gesetzeslehrer des 4. Jahrh. R. Simlai ‏und‎ R. Tanchum mit den Christen in Autiochien über vermeinte Andeutungen der Dreieinigkeit in der Bibel hielten. Nach Antiochien reisten im 5. Jahrh. die Gesetzeslehrer R. Jona und R. Jose zu Arsicinus, der sie mit großer Zuvorkommenheit empfing. Aus Antiochien wird ferner ein Gesetzeslehrer R. Jizchak erwähnt. Eine andere Notiz erzählt von jüdischen Gefangenen, welche dort die Lehrer Rab Acha und Rab Tanchum im 5. Jahrh. auslösten, wahrscheinlich die von dem Aufstande der Juden in Palästina unter Gallus. ‎Zur Zeit der Kreuzzüge war Antiochien noch ein wichtiger Platz, lange Zeit der Sitz der christlichen Fürsten. Im Jahre 1269 wurde sie von dem Sultan Bibar von Ägypten erobert. Heute ist sie unter dem Namen Antaki im Ejalet Haleb kaum noch ein Drittel so groß. Sie hat 10 000 Einwohner. Die Stadt hat viel durch öfteres Erdbeben gelitten.