Armilus, ‏ארמילוס

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Name des Anti- oder Pseudomessias, der in den spätern jüdischen Sagen zugleich Feind und Bekämpfer des jüdischen Volkes, seines Reiches und seiner Lehre ist. Das Wort »Armilus« ist entweder aus dem Griechischen: Volksverderber, oder eine Nachbildung von »Romulus,« dem ersten Gründer Roms, als Repräsentant der römischen Macht und Erzfeind der Juden. So machte ihn eine messianische Sage zum Mittelpunkt der Kämpfe, welche der Ankunft des Messias und der Gründung des messianischen Reiches vorausgehen sollen. Wir haben diese Sage in fünf bald kürzern, bald längern Relationem, die sich nur wenig von einander unterscheiden. Die Sage ist der Erzählung des Kampfes von Gog Magog gegen Jerusalem und die Gottesherrschaft in Ezechiel 38. und 39., oder den Schilderungen der Thaten Antiochus Epiphanes gegen Israel in Daniel 11. 21. 45. nachgebildet, die in verschiedenen Zeiten mehrere Umgestaltungen erfahren hat. Erst tritt sie in christlichen Kreisen auf, in der Apokalypse 19. 20. und 1 Joh. 2. 18 22., wo ein Pseudoprophet oder Antichrist kämpfend gegen den Messias und das messianische Reich vorgeführt wird. Sie ist sicherlich jüdischen Ursprunges, aber sie wurde, weil sie in christlichen Schriften und in der christlichen Apokalypse von der Wiederkunft des Messias und der Gründung des tausendjährigen Reiches eine Hauptrolle spielt, in jüdischen Kreisen in Palästan nur kurz, selten oder gar nicht erwähnt. In beiden Talmuden wird Von ihr nur nebenher der Tod des Messias, Sohn Josephs und die Trauer um ihn genannt. Erst nach dem Schluß des Talmud ist sie bei den Juden in den babylonischen Ländern, wo das Christenthum wenig ausgebreitet war, wieder eine beliebte Volkssage, die sich in mehreren kleinen Midraschim des 8. und 9. Jahrh. erhalten hat. Sie unterscheidet sich von der christlichen Antichristsage, daß sie mehr eine nationale Färbung hat, der Kampf des Antichrist ist mehr gegen das jüdische Volk als gegen seinen Messias. Der Messias, Sohn Josephs fällt durch ihn, aber er selbst weiß es nicht einmal, daß er ihn gestürzt hat. Die Dichtung lautet: »Der Messias, Sohn Josephs erscheint nachdem das Reich des Gog Magog (Ezechiei 38.) gestürzt ist, er sammelt die Israeliten aus allen Ländern, zieht mit ihnen nach Jerusalem, erbaut den Tempel und gründet sein Reich. Gegen diese Wiederaufrichtung Israels erhebt sich Armilus, ein von einer steinernen Jungfrau in Rom geborner Satanssohn von ungeheurer Größe und entstellter Menschengestalt, er sammelt die Völker zum Kampf gegen Jerusalem und das wieder auferstandene jüdische Reich. Er giebt sich als den wahren Messias aus und wird als solcher von Allen, nur nicht von Israel anerkannt. Der Kampf gegen Israel und sein Reich beginnt, es wird erbittert auf beiden Seiten gekämpft, aber der Messias, Sohn Josephs wird in der Schlacht getödtet, das Volk zersprengt und schrecklich gequält. Die Leiden übersteigen jedes Maaß. Sie flüchten sich in die Wüste, wo sie 45 Tage ohne Speise und Trank zubringen. Da sucht sie plötzlich der Messias, Sohn Davids auf, welcher der Sünden wegen lange verborgen gehalten wurde; er sammelt sie wieder, zieht gegen Armilus, den Pseudomessias, tödtet ihn, befreit Israel und gründet das wahre messianische Reich mit einem neuem Jerusalem und einem neuen Tempel, beide vom Himmel auf die Erde gesetzt.« Es ist kaum zu bezweiflen, daß diese Sage in diesem Rahmen die barkochbaische Zeit im Auge hat, wo die Juden nach der Niederlage Barkochbas durch die römischen Legionen in das tiefste Elend gestürtzt wurden. Wir verstehen unter Messias, Sohn Josephs den Barkochba, der die Juden um sich sammelte und ein jüdisches Reich gründete. Armilus, der heranzieht und es zerstört, ist Hadrian oder dessen Feldherr Severus mit den römischen Legionen. Er ist der Antichrist durch seine Verfolgungsedikte, die das jüdische Gesetz vernichten und das Heidenthum an dessen Stelle setzen sollen. Aber auch Roms Macht wird gebrochen und der jüdische Staat wieder aufgerichtet werden. Letzteres soll durch die Ankunft des Messias, Sohn Davids vollführt werden. Mehreres siehe: Messias