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Bekehrung | Talmud

Bekehrung

Posted 2 mos ago

Bekehrung, Rückkehr zu Gott, Te­schuwah. Bekehrung ist derjenige Teil der Buße, der die Veränderung der Sin­nes- und Lebensweise des Bußfertigen zum Gegenstande hat, wie er die sünd­haften Wege verlässt und sich wieder eines guten Wandels befleißigt. So wird sie von der Buße als die zu erfüllende Bedingung hingestellt, wenn ihre Heils­lehren eine Wahrheit werden sollen. Sie bildet den Krieg, der vom Sünder zur Sühne des Begangenen gefordert wird, damit die Besserung eine dauernde werde. Ihre Lehren durchziehen die ganze Bibel und finden sich in fast je­dem Buche derselben. Am mächtigsten ergreifen uns die Aussprüche der Propheten Jesaja, Amos und Hosea, eines Jeremias, Ezechiels und der Psalmen. Wir heben von diesen hervor: »Es ver­lasse der Frevler seinen Wandel, der Tückevolle seine Gedanken, er kehre zum Ewigen zurück und dieser wird sich seiner erbarmen«; » Zerreißet euer Herz, aber nicht eure Kleider und keh­ret zum Ewigen zurück«; »Werfet von euch alle Abtrünnigkeit, wie ihr abge­fallen seid, schaffet euch ein neues Herz und einen neuen Geist, warum sollet ihr sterben, Haus Israel!«; »So der Frevler von seiner Bosheit zurück­kehrt, die er verübt, Recht und Recht­schaffenheit vollzieht, erhält er sein Leben.«; »Waschet euch, reinigt euch, leget ab eure bösen Werke, höret auf Böses zu üben. Lernet Gutes tun, for­schet nach Recht, befreit den Bedrück­ten, schaffet der Waise Recht und neh­met euch der Witwe Streit an.« Im Einzelnen wird gemahnt, dass die Be­kehrung in Wahrheit vor sich gehe, nicht äußerlich, sondern innerlich, mit ganzem Herzen und ganzer Seele, nicht bloß in Besserung des Wandels gegen Gott, sondern auch gegen Menschen. Im Talmud haben diese Lehren eine viel entwickeltere Gestalt. Die Bekeh­rung wird in ihrer inneren Bedeutung, als Werk des Herzens und des Geistes hingestellt. »In dem Achtzehngebet geht dem Bußgebet das Gebet um Er­kenntnis voraus, weil der Mensch erst erkennen und dann in Buße zu Gott zurückkehren soll«, lautet eine Lehre darüber. »Denn das Gebot, das ich dir befehle, ist dir nicht zu wunderbar, auch nicht zu entfernt, dasselbe liegt dir sehr nahe mit deinem Munde und deinem Herzen zu vollführen« (5 M. 3o. zz — 15.); »mit deinem Munde« d. i. das Sündenbekenntnis; »mit dem Herzen« d. i. die Reue. Über das Ver­lassen der Sünde, als die unmittelbare Wirkung der Bekehrung, hatte man den Ausspruch: »Welches ist die Weise des wahrhaft Bekehrten? Wenn ihm die Sünde zwei-, dreimal begegnet und er sich von ihr weg wendet, und zwar an derselben Stelle, zu derselben Zeit und an demselben Gegenstande.« Nur in dieser Gestalt ist die Bekehrung eine wahre, sonst wird sie als geheuchelt entschieden zurückgewiesen. »Fünf er­halten keine Verzeihung, von diesen derjenige, der oft Buße tut, aber wieder sündigt.« Eine -andere Lehre lautet: »Wer seine Sünden bereut und sie den­noch nicht lässt, gleicht einem, der mit dem ihn verunreinigenden Tiere in der Hand ein Bad der Reinigung nehmen will, die er in seinem Wasser der Welt erhält, aber wirft er dasselbe weg, so kann er diese Reinigung schon in ei­nem Wasser von 4o Maaß finden.« Ferner: »Wer da spricht: ich sündige und tue Buße, sündige und tue Buße, dem verhelfe man nicht zur Buße.« Der dritte Punkt, der hier zur Sprache kommt, ist der Übergang des Bekehr­ten zur Übung des Guten, der direkte Tatbeweis der in ihm vorgegangenen Bekehrung. Die Verwechslung der sündhaften Lebensweise mit der tugendhaften ist das schönste Opfer zur Sühne begangener Sünden. Diese schon in den obigen biblischen Aussprüchen angegebene Lehre findet im Talmud dahin ihre weitere Entwicklung, dass auch die Weise dieser Übung des Guten angegeben wird. In den gleichzeitigen Lehren außerhalb des Judentums wird das Wiederbetreten des guten Wandels unter gleichen Verhältnissen angezwei­felt und als unmöglich hingestellt. Die Vernichtung der Gegenstände, die zur Sünde geführt, das Verlassen der menschlichen Gesellschaft, um sich in Wüsten und Wälder zurückzuziehen, werden als Bekehrungsbedingungen aufgestellt. Wer kennt nicht den Aus­spruch: »Ärgert dich dein Auge, reiße es aus!« Im Gegensatze hierzu lehren die Talmudlehrer, ist die Umwandlung in dem Bekehrten eine ganze und auf­richtige, dann ist nicht die Vernichtung oder das Fliehen des Weltlichen, son­dern nur der weise und richtige Ge­brauch desselben, was von ihm gefor­dert wird. Es hängt dies vollständig mit der weiteren Auffassung des Juden­tums vom »Bösen« zusammen, die das Böse nicht in den Gegenständen, son­dern im Menschen, in seiner Sinn- und Denkweise, sucht. Die Lehren darüber lauten: »Nur durch weise Ordnung führe den Krieg, und du erreichst bei weiser Beratung den Sieg«, d. h. ver­übst du eine Menge Sünden, so voll­ziehe dagegen eine Menge guter Hand­lungen. Hast du stolz blickende Augen, so vollziehe: sie (die Lehren) sollen sein zur Stirnbinde zwischen deinen Augen; eine lügenhafte Zunge, vollführe: du sollst sie, die Thora, deinen Kindern einschärfen, davon zu reden, wenn du sitzest in deinem Hause u. s. w.; Hände die unschuldiges Blut vergießen, voll­ziehe: und binde sie, die Lehren, als Zeichen an deine Hand und zur Stirn­binde zwischen deinen Augen; ein Herz mit bösen Anschlägen, verwirkliche: »und diese Worte sollen dir sein auf deinem Herzen«; Lüge und falsches Zeugnis, vollziehe: »und ihr seid meine Zeugen, spricht der Ewige«, u. s. w. Das hier Angedeutete wird durch meh­rere Beispiele klar dargestellt. Der Baum, der durch seine Frucht den ers­ten Menschen die Sünde brachte, war es auch, von dessen Blättern sie sich die Scham bedeckten. Das Gold und Silber dienten den Israeliten in der Wüste zur Anfertigung des goldenen Kalbes, aber es wurde ebenso zum Bau der Stifts­hütte, als Sühne des ersteren, verwen­det. Im Allgemeinen galt als Lehre: »Tod und Leben liegt in der Zunge«, d. h. liegt vor dir eine Feuerkohle und du fachst sie an, so wird sie dich ver­brennen, doch spuckst du auf sie, sie erlischt und ist schadlos.