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Bußtage | Talmud

Bußtage

Posted 2 mos ago

Bußtage, Bußzeit. Für die Buße der Israeliten in ihrer Gesamtheit ist der Versöhnungstag am 10. Tischri (Okto­ber) jedes Jahres, der mit dem Nach­druck befohlen wird: »Denn an diesem Tage wird er über euch versöhnen, euch von allen euren Sünden zu reini­gen, vor dem Ewigen sollet ihr rein sein. Ein Shabbath der Shabbathe ist er euch, demütiget eure Seelen, ein ewiges Gesetz.« Neben diesem allgemeinen Bußtag kann für den Einzelnen jeder Tag ein Bußtag sein, von frühester Ju­gend bis ins späteste Alter, so oft er ge­sündigt hat. In den Reden der Prophe­ten wiederholt sich die Mahnung, mit der Buße nicht zu zögern, sie zu voll­ziehen ehe Strafe eintritt und Leiden beugen. Die Apokryphen haben darü­ber noch die Lehre: »Nicht die Buße aufzuschieben, denn je länger man mit ihr zögert, desto schwerer wird sie.« Diese Angaben der zweifachen Bußzeit, der allgemeinen und der für jeden Ein­zelnen, haben wir auch in den Lehren des Talmuds. Eine weitere Entwicklung besteht in Bezug auf erstere, dass ne­ben dem Versöhnungstag auch das Neujahrsfest mit der Woche vor und den acht Tagen nach demselben als Bußzeit betrachtet wird. Die Tage vor dem Neujahrsfeste heißen »Tage der Vergebung«, und die acht Tage nach demselben bis zum Ver­söhnungstage führen den Namen: »Bußtage«. Das spätere Judentum betrachtet auch die fünf Fasttage jedes Jahres als Tage der Buße. Von den vielen Lehren darüber lassen wir hier einige folgen: »Blaset am Neu­monde in die Posaune«, das ist die Er­innerung: »Erneuert eure Taten, bessert und veredelt euer Leben, ich bedecke eure Sünden, denn also heißt es: Du verzeihst die Sünden deines Volkes, be­deckst alle seine Vergehungen.« »Am Neujahrsfeste wird über Leben und Tod bestimmt und so ergeht der Mahn­ruf: »So ihr mit ganzem Herzen vor mir Buße tut, werde ich euch aufnehmen und euch von eurer Schuld be­freien; die Pforten des Himmels sind stets offen und ich höre euer Gebet nach den Worten: Suchet den Ewigen, da er sich finden lässt.« Ferner: »Wa­schet euch, reiniget euch, leget ab das Böse eurer Handlungen, lasset vom Bösen ab; lernet Gutes tun, forschet nach Recht, steht dem Unterdrückten bei, richtet die Waisen auf, nehmet euch des Streites der Witwe an.« Diese neuen Mahnungen beziehen sich auf die neuen Bußtage von dem ersten Morgen des Neujahrsfestes bis zum Versöhnungstage mit dem Schluss: »Kommet, lasset uns rechten, spricht der Ewige, wenn eure Sünden rot sind wie Scharlach, sie werden weiß wie Schnee; röten sie gleich Karmesin, sie sind weiß wie Wolle.« »Zehnmal ertönt das Schofar am Neujahrsmorgen in drei Absätzen als Hinweisung auf die zehn Bußtage vom Ersten Neujahrstage bis zum Versöhnungstage, an denen wir Buße tun und uns von den Sünden be­freien sollen.« »Gehe, genieße in Freu­den dein Brot, trink frohen Herzens dei­nen Wein, denn Gott will dein Werke.« Das sind die Abschiedsworte des Neu­jahrs- und Versöhnungsfestes. Auch die andere Zeitangabe der Buße, wie sie täglich stattfinden könne, wird mit der Erinnerung hervorgehoben, dass die­selbe nur im diesseitigen Leben möglich sei. »So lange der Mensch lebt, ist Hoff­nung, er kann Buße tun, aber mit dem Tode hört sie auf.« »Gott lässt den Frev­ler lange leben, damit er Zeit zur Buße habe, denn mit dem Tode hört dieselbe auf nach den Worten: Stirbt der Frevler, dahin ist sein Hoffnung.« »Wohl dem Manne, der Buße tut, so er noch Mann ist, im kräftigen Mannesalter.« R. Elie­ser I., wird erzählt, lehrte, dass der Mensch einen Tag vor dem Tode Buße tue. Aber kennt denn der Mensch den Tag seines Todes im Voraus? Daher sol­let ihr täglich Buße tun, damit ihr die Zeit nicht verabsäumt. In der Welt der Zukunft, heißt es in einem Gleichnisse drüber, werden die Frevler an Gott sich bittend wenden: »Lasse uns, wir wollen Buße tun.« Aber sie hören die Antwort: »Toren! Die Welt, in der ihr lebt, verhält sich zum Jenseits wie der Rüsttag des Shabbaths zum Shabbath, wer an jenem nichts vorbereitet, hat an diesem nichts zu genießen; wir hungern im Winter, wenn wir im Sommer nichts gesam­melt.«